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Herbst 2010

In diesem Herbst öffnet die zweisprachige Gedichtsammlung des Pulitzer-Preisträgers C. K. Williams unser Fenster auf die Literaturen der Welt. Scheinbar befinden sie sich am Rand, doch wenn man die Perspektive wechselt, dann sind es die deutschsprachigen Leser, die aus ihrer Nische herausspähen und im besten Fall staunen. Altmeister Jessenin kann davon ein Lied singen: Bevor sich die Kunde von seinen vollendeten Versen in Westeuropa postum ausbreitete, eilte ihm der skandalträchtige Ruf eines Trinkers und Schlägertypen voraus. Hatte Bukowski ein heimliches russisches Vorbild? Wie weit reicht unsere Freiheit in einer „durchökonomisierten“ Welt? Die Ablehnung des Nationalsozialismus ist zur moralischen Norm geworden: Die Ablehnung der Diktatur trägt selbst diktatorischen Charakter. Zu weißen Flecken auf der Landkarte des Gegenwartsbewußtseins gerät dabei die letzte europäische Diktatur in Weißrußland genauso wie die koloniale Geschichte Westeuropas. Mit seinem auto­biografischen Roman schlägt Helder Macedo hier eine Presche: Aufgewachsen in Mosambik entlarvt er die libertäre Geste seines Vaters, der als Gouverneur in den portugiesischen Kolonien tätig war, als Beitrag zur Aufrechterhaltung der Unfreiheit im Namen der Freiheit.

Alhierd Bacharevič, Die Elster auf dem Galgen
Roman
Aus dem Weißrussischen von Thomas Weiler
ISBN 978-3-86660-104-8, 412 S.

Patrick Beck, Ich habe ein Haus aus Licht gebaut
Imaginäre Orte
ISBN 978-3-86660-095-9, 104 S.

Peter Gehrisch (Hg.), Das reicht für eine Irrfahrt durch Polen
Anthologie
ISBN 978-3-86660-105-5, 188 S., zweisprachig
mit Texten von Anna Janko, Zbigniew Herbert, Urszula Kozioł, Czesław Miłosz, Wisława Szymborska, Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki u.v.a.

Hubertus Giebe, Der geschliffene Elfenbeinturm
Widerreden und Würdigungen
ISBN 978-3-86660-096-6, 154 S.

Katrin Heinau, Hochstaplerroman
Neue Prosa
ISBN 978-3-86660-101-7, 182 S.

Inskriptionen No. 3: mondgefleckt, elektrisch
Anthologie, handgedruckt, vielfarbig
ISBN 978-3-86660-100-0, 100 S.
mit Beiträgen von Patrick Beck, Thomas Böhme, Wassili Busskläff, Maria Clara,
crysantheme, Flo, karolin, Herbert Kollenz, Roy Kral, Nurio Quevadis, J. W. Rosch,
Lena Ryschkova, Arno Schmidt, Tan Go & Zhenja

Sergej Jessenin, Der Winter singt – es ist ein Schreien
Ausgewählte Gedichte 1910 – 1925
Aus dem Russischen von Erich Ahrndt
ISBN 978-3-86660-102-4, 184 S., zweisprachig

Helder Macedo, Weiße Flecken von Afrika
Roman
Aus dem Portugiesischen von Markus Sahr
ISBN 978-3-86660-099-7, 174 S.

Jens Rosch, Goðan Daginn
Gedichte. Mit Radierungen von Mechthild Mansel
ISBN 978-3-86660-097-3, 104 S.

Bożena Umińska-Keff, Ein Stück über Mutter und Vaterland
Neue Szene
Aus dem Polnischen von Michael Zgodzay
ISBN 978-3-86660-103-1, 140 S.

C. K. Williams, Von nun an
Aus dem Amerikanischen von Walter Thümler
ISBN 978-3-86660-098-0, 174 S., zweisprachig, 19.95 EUR

 

Frühjahr 2010

Poesie kennt keine Grenzen. Obwohl sie aus Sprache gemacht ist, ist sie auf ihre Weise unabhängig von der Sprache. Nach dem orpheischen Sprechen muß nicht gesucht werden, weder im Lautlich-Tierischen noch im Abstrakten. Das Poetische selbst ist die Sprache der Poesie. Was sich aussprechen läßt, ist das Gewand des Gedankens, nicht der Gedanke selbst. Dem äußeren Anschein nach gilt Poesie als unübersetzbar – tatsächlich ist sie in einer universalen Sprache angesiedelt. Räumlich ungebunden, tragen Dichter und Übersetzer sie von Land zu Land. Unser Frühjahrsprogramm rückt der Universalität des Poetischen auf den Leib. Jean-Michel Maulpoix spürt mit Blick auf die französische Rezeption dem Faden nach, den Rilke zwischen Dichtung und Leben spinnt. Demgegenüber droht Bosnien immer wieder aus dem Blick der Mittel- und Westeuropäer zu fallen: In diesem paradiesischen Bergland haben die Kulturen und Religionen jahrhundertelang die Klinge gekreuzt. Erst wenn die Konflikte eskalieren, wenn es heiß wird und wieder zu spät ist, gerät Bosnien in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Doch zwischen den Kriegen ist Leben, zwischen den Kriegen blüht die Poesie ...

Carlos A. Aguilera, Rede der toten Mutter
Ein Monolog
Aus dem Spanischen von Elisabeth Müller
Mit Zeichnungen von Lubomir Typlt
ISBN 978-3-86660-086-7, 114 S.

Jürgen Große, Fünf Zeitbilder
Geschichtsphilosophische Glossen
Mit Zeichnungen von Elke Pollack
ISBN 978-3-86660-088-1, 148 S.

Hadžem Hajdarević, Land, das es nicht gibt
Gedichte
Aus dem Bosnischen von Astrid Philippsen,
Cornelia Marks & André Schinkel
ISBN 978-3-86660-089-8, 144 S.

Sascha Heße, Auf eigenen Händen
Aphorismen - Fragmente - Essays
ISBN 978-3-86660-090-4, 164 S.

Zilhad Ključanin, Wasserhochzeit
Roman
Aus dem Bosnischen von Astrid Philippsen
ISBN 978-3-86660-092-8, 144 S.

Dieter Krause, Farbkammern
Gedichte
ISBN 978-3-86660-093-5, 104 S.

Jean-Michel Maulpoix, Kommentar zu Briefe an einen jungen Dichter von Rainer Maria Rilke
Aus dem Französischen von Margret Millischer
ISBN 978-3-86660-091-1, 144 S.

Esther Mohnweg, Winterschlaf
Roman. Mit Zeichnungen der Autorin
ISBN 978-3-86660-087-4, 136 S.

Ilona Schlott, Steißvogel
Prosaminiaturen
Mit Zeichnungen von Käthe Bauer
ISBN 978-3-86660-085-0, 116 S.

Herbst 2009

Wie politisch darf Poesie sein? Wie politisch sollte sie sein? Gute Poesie, heißt es, ist poli tisch, ohne es im Wort zu führen. Allein die Existenz der Poesie fordert Politik heraus, widerstrebt der Durchfunktionalisierung aller Lebensbereiche, die wir gegenwärtig erleiden. Poesie rankt sich an den glatten Wänden der bürokratischen und industriellen Komplexe, von denen wir umstellt sind, empor. Mit empörender Geschwindigkeit entfremdet der technische Fortschritt den Menschen von seinem inneren Wesen. Poesie zählt zu den wenigen Mühen, die verlangsamen statt zu beschleunigen. Sie strengt an, fordert die Einlassungsbereitschaft heraus, wirkt altmodisch, selbst wenn sie mit Sprachformen der Informatik spielt. Das Jahr 1989 ist uns in diesem Herbstprogramm Anlaß,
vorwegnehmend einen Rückblick zu werfen auf Wirklichkeiten, die wir hinter uns gelassen haben, auf den Einfluß der Dichter in diesem entscheidenden politischen Moment sowie auf sich öffnende Möglichkeitsspielräume. Der Freiheitsgewinn, 1989 erstritten, wird häufig auf Reise- und Wahlfreiheit eingeengt. Wir fragen nach Gewinn und Verlust der Möglichkeiten zur inneren Freiheit – da sieht die Bilanz der letzten 20 Jahre keineswegs nur positiv aus. Begleitet wird unser Verlagsprogramm durch die Ausstellung
Im Schatten der Kolossalfiguren. Basisdokumente zum Aufbruch 1989 in Leipzig.

Gennadij Ajgi, Immer anders auf die Erde
Gedichte. Aus dem Russischen von Walter Thümler
ISBN 978-3-86660-075-1

Oliver Bendel, Verlorene Schwestern
Roman
ISBN 978-3-86660-079-9

Reinhard Bernhof & Silke Brohm (Hg.), Im Schatten der Kolossalfiguren
Basisdokumente
ISBN 978-3-86660-081-2

Dresden 1. Mai 1989
Bilder eines unbekannten Fotografen
ISBN 978-3-86660-073-3

Michael Goller & Mike Wassermann, Konkretes Vergessen
Gedichte & Zeichnungen
ISBN 978-3-86660-076-8

Axel Helbig & Ulf Großmann (Hg.), Skeptische Zärtlichkeit
Junge deutschsprachige Lyrik
ISBN 978-3-86660-077-5

Inskriptionen No. 2, paranoia, pink
Anthologie, handgedruckt, zweifarbig
ISBN 978-3-86660-074-4

Sylvia Kabus & Reinhard Bernhof (Hg.), Umfeldblätter
Reprint einer illegalen Kleinzeitschrift, erschienen im Samisdat 1988/89
ISBN 978-3-86660-082-9

Viktor Kalinke, Empörte Flut
Roman. Mit Tuschezeichnungen von Christiane Werner
ISBN 978-3-86660-080-7

Suzanne Latour, Spickerdeel
Roman
ISBN 978-3-86660-078-2

Jean-Michel Maulpoix, Der Geistschreiber
Aus dem Französischen von Jürgen Strasser
ISBN 978-3-86660-084-3


Carsten Zimmermann, licht etc.

Gedichte
ISBN 978-3-86660-083-6

Wieder aufgelegt:

Escher, Tomas: Linie 72
Gedichte, ISBN 3-934015-20-4
Experimentelle Höhenflüge wechseln sich ab mit zärtlichen Annäherungen eines Mannes, der auch gelernt hat, auf den Ballen zu gehen. Die jüdische Herkunft und die Zuneigung zum Balkan geben ihm ein geistiges Terrain, das weit über den regionalen Bannkreis hinausreicht.

Viktor Kalinke: Asche
Roman, ISBN 3-934015-27-1
In diesem Schelmenroman schildert Viktor Kalinke das Leben eines Soldaten in der NVA – doch die Geschichte greift darüber hinaus. Es ist ein philosophischer Roman, in dem die Sinnlosigkeit jeder kriegspielenden Armee dargestellt wird: hier geht es, weit gefaßt, um den Traum von einer besseren Menschheit. „Das Taumeln des Einzelnen bleibt erkennbar inmitten der uniformierten Massenbewegung, und die Geschichte hat plötzlich ein Gesicht.“ Dresdner Neueste Nachrichten

Laurynas Katkus: Tauchstunden
Gedichte, ISBN 3-934015-46-8
Das eigene Leben, vor und nach der Wende, verwebt sich mit histo¬rischem Geschehen zu einer pri-
vaten Weltgeschichte, die intime Einblicke in das Heute eines jungen Europäers gewährt. „In kraftvol-
len Bildern beschreibt Katkus sowjetische Kindheit und Jugend zwischen Indianergeheul und
Panzerparade, Punkkonzert und Neubaugebiet.“ Gisela Reller

Laozi: Daodejing, 2 Bände
ISBN 3-934015-15-8 / 3-934015-18-2
Diese Daodejing-Ausgabe ist die einzige im deutschsprachigen Raum, die Mehrdeutigkeiten auf¬nimmt
und in Beziehung setzt, statt sie der Logik des Übersetzers zu opfern. Auf diese Weise bleibt die Viel-
schichtigkeit des Daodejing erhalten. „Der Nutzen dieser Publikation steht außer Frage.“ Prof. Dr. Ralf Moritz, Universität Leipzig

Frühjahr 2009

Die Krise der äußeren Werte, die Wirtschaft und Banken in Atem hält, steigert den Kurs der inneren Werte, mit denen die Dichtung zu schaffen hat. Dichtung ist wie eine unerfüllte Liebe: Sie weiß, daß es weder Ewigkeit noch Unsterblichkeit gibt, dennoch ist sie imstande, mit Worten dem Verfall Einhalt zu gebieten. Während die einen im Absturz ihrer Börsentitel den Beginn der Hölle erblicken, haben die anderen schon Schlimmeres in diesem Leben gesehen: Bürgerkrieg, Vergewaltigung oder Diktatur. Sie sind durch diese Erfahrungen hindurchgegangen, ohne die Schönheit des dichterischen Wortes aus dem Sinn zu verlieren, denn es verleiht Wohnrecht im Paradies. Während das Bild universell lesbar ist, bedarf das Wort der Übersetzung – eine Aufgabe, die zugleich Mühe und Freude bereitet. In diesem Frühjahr bringen wir vier poetische Übersetzungen, die im Deutschen gleichermaßen literarische Qualität behaupten wie der ursprüngliche Text.

Leonid Aronson, Innenfläche der Hand
Gedichte. Aus dem Russischen von Gisela Schulte & Marina Bordne
ISBN 978-3-86660-069-0

Oliver Bendel, Nachrückende Generationen
Hörbuch. Gesprochen von Johannes Gabriel
ISBN 978-3-86660-065-2

Gesche Blume, Untemperiert
Hörbuch. Gesprochen von der Autorin
ISBN 978-3-86660-066-9

Velibor Čolić, Bei Alberto
Roman. Aus dem Kroatischen von Alida Bremer
ISBN 978-3-86660-068-3

Miloš Crnjanski, Ithaka
Hörbuch. Aus dem Serbischen von Viktor Kalinke & Stevan Tontić
Gesprochen von Miloš Crnjanski & Viktor Kalinke
ISBN 978-3-86660-076-6

Marc Degens, Abweichen
Über Bücher, Comics, Musik
ISBN 978-3-86660-070-6

Herbert Kollenz, Marmotta
Roman.
ISBN 978-3-86660-071-3

Jean-Michel Maulpoix, Eine Geschichte vom Blau
Prosagedichte. Aus dem Französischen von Margret Millischer
ISBN 978-3-86660-064-5

William Shakespeare, Sonette
Deutsche Nachdichtung von Jan Weinert
Paperback: ISBN 978-3-86660-062-1,
Gebunden: ISBN 978-3-86660-063-8

 

Herbst 2008

Sie sind Frauen des Wortes, keine Alpha-Mädchen, keine Powergirls, keine neuen deutschen Mädchen. Sie sind international. frouwe – Edle des Geistes. Mädchen ist sächlich, Objekt, charakterlos. Die Frauen, die sich hier zu Wort melden, haben eine eigene Stimme, sind selbstbewußt, “insistierend obsessiv”. Sie wissen um die Macht des Wortes und zögern nicht, sich auf die Beschreibung innerer Bewegungen zu beschränken: subjekthaltig, konsequent, ohne Ausflucht in abstrakt-wolkige oder politisiert-radikale Konstrukte. Sie sind dem Leben konkret & sinnlich verbunden und kennen die Traditionslinien männlicher Blickwinkel, von denen die andere Hälfte unseres Herbstprogramms Beispiele versammelt: philosophische Aphorismen, Fotografien von der rauhen Realität in einer von der Ölförderung gezeichneten Stadt, die ihre ganz eigenen Helden hervorbringt. Als vorweggenommenes Resümmé, Prophezeiung und Bilanz in einem: der Hammurabi-Kodex. Um 1900, nach Ausgrabung der Gesetzesstele eifrig ins Deutsche übersetzt und mit den alttestamentarischen Vorschriften verglichen, ist dieser Quellentext im öffentlichen Bewußtsein Europas nur fragmentarisch erhalten geblieben, obgleich er in funktionaler Lesart mehr Antworten bietet als die Bibel.

Patrick Beck, Swantegard
Hörspiel

Jana Benová, Parker
Roman. Aus dem Slowakischen von Andrea Koch-Reynolds

Yvette K. Centeno, erdnah
Gedichte, zweisprachig, aus dem Portugiesischen von Markus Sahr

Hammurabi, Die Gesetze
Neuausgabe der Übersetzung von Hugo Winckler

Sascha Heße, Den Anker in die Luft werfen
Aphorismen

Inskriptionen No. 1, denkporno
Anthologie - limitierte Auflage, handgedruckt, zweifarbig

Christine Pfammatter, Zuviel Sonne
Geschichten

Esther Tusquets, Sieben Mädchenblicke auf dieselbe Landschaft
Erzählungen. Aus dem Spanischen von Susanne Detering

Emeka Udemba, Chicken kings · Metal kings · Market kings
Fotografie aus Nigeria

 

Frühjahr 2008

Churchill bezeichnete den Balkan als die Wiege der europäischen Kultur. So vielfältig die Völker, so facettenreich ist die Literatur, geprägt von übergestülpten Ideologien, religiösem Zwist und der Suche nach Identitäten. Auch der Westen ist keineswegs frei davon. Offenbar genügt es nicht, durch Eigenstaatlichkeit inszenierte Differenzen mit oberflächlichen Sprüchen zu verkleistern. Es kommt darauf an, den je eigenen Geschichten zuzuhören. Das Frühjahrsprogramm unseres Verlages blickt nach Süd- und Osteuropa, aber vergißt darüber nicht, daß Europa ähnlich wiederkehrende Themen verbindet. Diese Bücher lassen sich lesen – als Therapeutikum gegen die wohlmeinende Verordnung größerer Einheitlichkeit. Sie entlarven hohlen Humanismus als Mäntelchen despotischer Herrschaftsformen, vergewissern sich des realen Menschen in gesellschaftlichen Übergangsprozessen und bewahren eine gesunde Portion Humor als Retter in der Not ...

Oliver Bendel, Künstliche Kreaturen
Roman

Miloš Crnjanski, Ithaka
Gedichte
Aus dem Serbischen von Viktor Kalinke & Stevan Tontic
zweisprachig

Marc Degens, Hier keine Kunst
Roman

Ivan Dodovski, Der große Koffer
Erzählungen
Aus dem Mazedonischen von Will Firth

Katrin Heinau, Vendelzeit
Hörbuch

Bärbel Klässner, Der zugang ist gelegt
Gedichte
Mit einem Nachwort von Wulf Kirsten

Wjatscheslaw Kuprijanow, Im Geheimzentrum
Erzählungen
Aus dem Russischen von Peter Steger

Roland Lampe, Alles dreht sich um nichts
Kurzprosa. Mit Zeichnungen von Jürgen Peters

Hein Semke, Bestiarium-Calendarium
Künstlerbuch

Herbst 2007

Comedywellen und Lachparaden überfluten die Medien. Um so ironischer, daß es eine Überflußgesellschaft wie unsere nötig hat, für ausreichend Spaß zu sorgen. Wir sind verwegen, aufgeklärt und individuell. Aber wir sind noch mehr – Teil von Mechanismen, die wir nicht mehr verstehen und noch weniger beherrschen können.
Die Bücher unseres Herbstprogramms greifen diesen Zustand auf; sie sind Reflex auf die Gegenwart und damit auf dem besten Wege, Klassiker zu werden. Die Autoren dieses Programms fragen nach dem Verhältnis von Freiheit und Liebe, Identität und Kontrolle, Gerechtigkeit und Korruption. Es werden Diktaturen im Großen wie
im Kleinen entlarvt, Institutionen seziert und der überindividualisierte Alltag beschrieben, in den wir uns einfügen sollen. Wir begehren auf, wir ziehen uns zurück. Was bleibt, sind Ironie und Demut. Schmunzeln Sie mit!

Carlos A. Aguilera, Theorie der chinesischen Seele
Roman. Aus dem Spanischen von Udo Kawasser

Nina Chabias, Guttapercha des gänsehäutigen Gehänges
Gedichte. Aus dem Russischen von Henrike Schmidt
Mit Zeichnungen von Djoma Djumabaeva

Katrin Heinau, Der Papst ist ein Schwede
Erzählung

Viktor Kalinke, Gottes Fleisch, Teil 2
Die heillose Verkettung des Ehe-und Sexualstrafrechts. Essay

Urszula Koziol, Bittgesuche
Gedichte. Aus dem Polnischen von Peter Gehrisch, zweisprachig

Ulrich van Loyen, Stilles Weites Land
Romanzen

Uwe Nösner, Reise ans Ende des Traums
Prosastücke. Mit drei Graphikblättern von Hermann Naumann

Jorge de Sena, Die Großkapitäne
Erzählungen. Aus dem Portugiesischen von Markus Sahr

Marek Sniecinski, Andere Obsessionen
Erzählungen. Aus dem Polnischen von Bettina Eberspächer

Charles Wright, Worte sind die Verringerung aller Dinge
Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Stefanie Golisch

 


Frühjahr 2007

Man muß heute fragen, welchen Sinn es noch hat, zu dieser kulturellen Überproduktion des Westens etwas beizutragen. Es gibt soviele Bücher. Zuviele? Jeder zweite Abiturient glaubt, ein Künstler, Musiker oder Schriftsteller zu sein. Ist es kapitalistischer Warenhunger, der uns antreibt, gepaart mit dem Zwang zur Individualität? Ist es möglich, sich dagegen zu behaupten? In der Stille? In der Stille! In diesem Programm schlagen drei Romane den Bogen von den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, über die langen Jahre des Untergrundkampfes gegen die Diktatur zu dieser noch namenlosen Epoche nach der Postmoderne, die im Anschein der Freiheit neue bizarre Gewaltformen hervorbringt. Davon wußte der radikale polnische Dichter Wojaczek ein Lied zu singen, als er klirrend durch Fenster ging, statt die üblichen Aus- und Eingänge zu benutzen. Wir laden Sie ein zu einem Spaziergang durch den Scherbenhaufen der jüngeren Geschichte.

Manuel Alegre, Rafael
Roman
Aus dem Portugiesischen von Markus Sahr

Oliver Bendel, Nachrückende Generationen
Roman

Thomas Böhme, Widerstehendes
Fotografie & Prosastücke

Peter Dombrowski, Velates
Kurzgeschichten

Jenny Feuerstein, In meiner Tasche aus Gedanken
Fotografie, Gedichte & Geschichten

Andreas Hegewald, Ledige Sätze
Aphorismen und Zeichnungen

Axel Helbig, Der eigene Ton
Gespräche mit Dichtern: Arnold Stadler, Norbert Gstrein, Herta Müller, Reinhard Jirgl, Franz Hodjak, Günter Kunert, Christoph Meckel, Adolf Endle, Elke Erb, Ilma Rakusa, Katja Lange-Müller, Kathrin Schmidt, Peter Gehrisch, Raoul Schrott, Christoph Wilhelm Aigner, Christian Lehnert, Kurt Drawert, Marcel Beyer, Lenka Reinerova

Viktor Kalinke, DichterSehen
Film von und mit Christoph Meckel, Yvette Centeno, Thomas Böhme, Mila Haugova, Thomas Kunst,
Katrin Heinau, Wojciech Izaak Strugala, Gertrud Katzenstein und Silvio Pfeuffer

Krzysztof Siwczyk, Im Reich der Mitte
edition neue lyrik, polnisch - deutsch
Aus dem Polnischen von Andre Rudolph

Gerhard Weinreich, Schwichtenbergs letztes Spiel
Roman

 

Herbst 2006

Wer mit Paul Valéry unter Prosa schnödes Gehen, unter Lyrik aber Tanz versteht, der braucht zum Gedichtelesen (mindestens) einen Partner. Würde jeder, der Gedichte schreibt, einmal im Jahr den Lyrikband eines anderen Dichters kaufen, wäre der begrenzte Markt für dieses Genre wahrscheinlich schon gerettet. Darüberhinaus würde sich die Dichtergemeinde eine Plattform des Austausches schaffen. Doch leider werden (immer noch) mehr
Gedichte geschrieben als gelesen. Was ist die Antwort des Marktes: weitere Einschnitte. Wir wollen nicht auf die Lyrik, nicht auf den Tanz verzichten. Radikale Beschränkung und ungewöhnliche Form - das sind die Editionsprinzipien unserer Reihe “edition neue lyrik”, die in diesem Herbst in neuem Gewand auftritt: gehüllt in Graupappendeckel, fadengebunden, mit Leinenrücken und eingeprägtem Etikett versehen, alles handgemacht. Hand und Fuß hat auch unsere Prosa in diesem Herbst. Und sie strahlt portugiesische Wärme aus. Wenn es in Mitteleuropa grau und ungemütlich wird: einkuscheln und lesen!

Guillaume Apollinaire, Bestiarium
edition neue lyrik
Aus dem Französischen von Thomas Eichhorn

Billy Collins, Schnee schaufeln mit Buddha
Ausgewählte Gedichte
Aus dem Amerikanischen von Ron Winkler

Peter Gehrisch, Tunnelgänge
edition neue lyrik

Mila Haugová, Körperarchive
edition neue lyrik
Aus dem Slowakischen von Slávka Porubská

Katrin Heinau, Evakuierung
Roman

Herberto Helder, Schritte ringsum
Erzählungen
Aus dem Portugiesischen von Markus Sahr

Franz Hodjak, Was wäre schon ein Unglück ohne Worte
Aphorismen, Notate

Uwe Nösner, Die gekreuzigte Zeit
edition neue lyrik

Jens Ossada, Der Mensch und sein System
Assemblagen, Objekte und Gedichte

Utz Rachowski, Meine Sommer, meine Winter und das andere
Hörbuchreihe „Stimme des Autors“


Frühjahr 2006

Murat Baltić, Westliche Wasser
Roman
Aus dem Bosnischen von Barbara Nollmann

Reinhard Bernhof, Fluchtkind
Roman

Peter Gehrisch, Hans-Theodors Karneval oder Das Federnorakel
Roman

Michael Goller & Peter Piechaczyk, Das Malbuch
art-fiction

Ralph Grüneberger, Politessenblut
Männergeschichten

Katrin Heinau, Vier Männer
Erzählungen

Tanja Heinze, Donna Juana
Roman

Sascha Heße, Bewegungen des Zweifels
Philosophische Fragmente und Aphorismen

Christoph Meckel, Passage - Ein Zyklus der Weltkomödie
Radierungen

Fernando Pessoa, Über Juden- und Freimaurertum.
Essay
Mit einer Einleitung von Yvette K. Centeno
Aus dem Englischen und Portugiesischen von Markus Sahr

 

Herbst 2005

Yvette K. Centeno, Anfang
Roman
Aus dem Portugiesischen von Markus Sahr
Mit Narragrammen von Kati Küstner

Gesche Blume, Lilith im blauen Kleid
Erzählungen
Mit Zeichnungen von Anna H. Frauendorf

Roland Lampe, Glück ist das Ende aller Poesie
Kurzprosa.
Mit Illustrationen von Robert Schleder

Inger Kock, Flüsternder Eukalyptus
Erzählungen und Gedichte, zweisprachig

Axel Helbig, Annäherung an das Unsagbare
33 Verführungen zur Literatur

mondayshake - sharon & pigg, mondphasen
duplex-c-prints - zu einem text von horaz


Frühjahr 2005

Herkus Kunčius, Ornament
Roman
Aus dem Litauischen von Mala Vikaite

Ramune Pigagaite, Dorfbewohner MORTE
Fotografie

Silvio Pfeuffer, Tausend Sonnen sind eine vermisste Million
edition neue lyrik
Mit Graphiken von Andrea Lange

Stevan Tontić, Sabine Fahl, Handschrift aus Sarajevo
Hörbuch, zweisprachig serbisch - deutsch

Wojciech Izaak Strugała, Phantasmagorien
Gedichte, zweisprachig polnisch - deutsch
Aus dem Polnischen von Peter Gehrisch

Wojciech Izaak Strugała, Phantasmagorien - Hörbuch
zweisprachig polnisch - deutsch


Herbst 2004

Pentti Saarikoski, TIARNIA
Teil 1: Der Tanzplatz auf dem Berg
Teil 2: Aufforderung zum Tanz
Teil 3: Die Tänze des Dunklen
edition neue lyrik

Aus dem Finnischen von Richard Semrau, unter Mitwirkung von Sabine Fahl
zweisprachig

Viktor Kalinke, Gottes Fleisch
Erster Essay: Die Erfindung der Reinheit

Tanja Heinze, Der Schnee des letzten Sommers
Roman
Mit Zeichnungen von Daniel Grunewald

Jürgen Große, Aus Langeweile
Aphorismen, Essays

Wolfgang E. Krumbein, Alla Nesterova
50 Motive griechischer Mythologie
Gedichte und Zeichnungen


Frühjahr 2004

Yvette K. Centeno, Im Garten der Nußbäume
Roman
Aus dem Portugiesischen von Markus Sahr
Mit Zeichnungen von Anna H. Frauendorf

Gertrud Katzenstein, Inventuren
Stories und Begebenheiten aus dem Osten
Mit Fotografien von Viktor Kalinke

Viktor Kalinke, Wie ich Amerika entdeckte
edition neue lyrik
Mit Zeichnungen von Marion Quitz
Festeinband mit Etikett

Marion Quitz, Zweisamkeit im Neonlicht
Die Geburt des surrealen Comic
Gedichte und Zeichnungen

Sergej Birjukov, Jaja, Dada oder die Abschaffung des Artikels
Lautmalerei in deutscher, russischer und Transrational-Sprache


Herbst 2003

Jens Rosch, Jokhang-Kreisel
edition neue lyrik
Mit Zeichnungen von Anna H. Frauendorf

Uta Hauthal, Im Kreis
Novelle

Michael Goller & Mike Wassermann, Labyrationen
Bilder und Gedichte

Kati Küstner, Narragramme
Bilder und Texte zum Trickster, zur Geburt des Herrn und zu Grimmschen Märchen

Mark Rozov, In der Mitte der Peripherie
Fotocollagen
Mit Dialogen von Jegor Wyssozkij

Torsten Klemm, Situationsmuster
Wege zu einer systemischen Theorie der Persönlichkeit


Frühjahr 2003

Anna H. Frauendorf, anKYRILna
tagorte - nachtworte, gedichte, erzählungen, graphiken

Viktor Kalinke, Herbst auf Sumatra
Ein poetischer Dialog mit Milos Crnjanski
Holzschnitte von Inka Grebner

Laurynas Katkus, Tauchstunden
edition neue lyrik, litauisch - deutsch
Aus dem Litauischen von Mala Vikaite & Viktor Kalinke

Gintaras Grajauskas, Knochenflöte
edition neue lyrik, litauisch - deutsch
Aus dem Litauischen von Mala Vikaite & Viktor Kalinke

Thomas Böhme, Schwarze Archen
Geschichten, Fabeln, Grotesken
Mit dem Fotozyklus “Jungen unterwegs”

Thomas Böhme liest aus “Schwarze Archen”
Hörbuch

Thomas Kunst, REIN THEORETISCH ADIEU
Hörbuch presented by The public pinguins (Ralf-Ingo Ebert - piano, Dieter Altmann - git,
Annekathrin Bahls - clar, Thomas Kunst - voice)

Torsten Klemm, Delinquenz, Haftfolgen und Therapie mit Straffälligen
Die Leipziger Gefängnisstudie

 

 


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