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Jana Beňová
geb. 1974, Studium der Theaterdramaturgie in Bratislava, literarisches Debüt 1993, Stipendiatin der Fundaçao Calouste Gulbenkian Lissabon und des Unabhängigen Literaturhauses Niederösterreich
Jana Beňová erzählt in lose aneinandergereihten Episoden die Liebesgeschichte von Heidi und Parker. Sie schildert alltägliche Begegnungen und überraschende Wiederbegegnungen der Liebenden unter verschiedenen Umständen, zu verschiedenen Zeiten, vor verschiedenen Kulissen. Jana Beňová erzählt zugleich vom Mädchen Heidi, ihrer Freunding Klara und der Großmutter. Dieses mutmaßliche Spyri-Motiv gibt dem Buch einen weiteren Rahmen und der Hauptfigur eine Konnotation, es weist außerdem darauf hin, dass wir beim Lesen gefasst sein müssen: auf Verfremdungen, die Gewohntes in neuem Licht zeigen und Symbolik in sich tragen; auf Vertrautes und Bekanntes, das uns in unerwarteten Augenblicken wieder auf sicheren Grund führt.
Beňovás Erzählen ist einerseits geerdet durch realitätsnahe, vermeintlich autobiographische Skizzen von Kindheitserlebnissen, Reisen und dem Alltag in Bratislava. Es wird andererseits beflügelt durch fantasievolle und absurd erscheinende Szenen: Wir treffen auf Spidigon Zales, die schnellste Maus Mexikos, die sich tapfer durch einen vom Computer dominierten Büroalltag kämpft. In einer anderen Szene sehen wir zwei Penner auf einer Parkbank und auf der Bank gegenüber ein Einhorn, auf dessen Schulter sich jeder gern ausweint. Die Autorin versteht es, zu jeder Szene eine Pointe zu finden. Sie ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch eine Meisterin der Umkehr. Jana Beňová verlässt mutig den sicheren Weg eines fortlaufenden Erzählstrangs. Sie lässt sich von Ihrer Intuition und Fantasie auf inhaltlich abgelegen erscheinendes Terrain führen, doch nur um schließlich zu zeigen, dass alles doch zusammenhält und zusammengehört. Das Ende des Buches sieht Heidi, Parker und auch Klara an jenem fernen Augusttag, an dem Pompeji unter der Lava verschwand, als ob alles zuvor im Buch Beschriebene noch nicht stattgefunden hätte. Ein Ende vor dem Anfang, das aber doch die Essenz der Liebe von Parker und Heidi begründet.
Wenn Beňová Prosa als nicht zufrieden stellend empfindet, greift sie zur Lyrik, zu überraschend einfachen Worten, die in einfachen Zeilen das einzig Bedeutsame formulieren. Sie schreibt über Dinge, die sie kennt, die sie erlebt, gehört, gesehen, gerochen, geschmeckt hat - Parker ist ein sehr persönlicher und ein sehr sinnlicher Text. Sie schreibt außerdem über Dinge, die sie hinwegtragen, entfernen von der eigenen Person, die befreien von der Bürde des Menschseins - Parker ist ein Text, der auf die unbegrenzten Möglichkeiten, auf fantasievolle Zuflüchte und Ausflüchte verweist.
Stimmen zu Jana Beňová
"Für die Teilnahme an der Fußball-EM reichte es bei der Slowakei nicht. Dafür beeindruckt literarisch die 1974 geborene Jana Beňová mit ihrem bereits 2001 erschienen Debüt-Roman »Parker«, der nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. Als Rahmen dient die Liebesgeschichte zwischen Heidi und dem männlichen Protagonisten Parker. Damit verwoben sind Erinnerungen an die Kindheit Heidis und ihrer Beziehung zur Großmutter. Geschildert in authentisch wirkenden, fast tagebuchähnlich skizzierten Erinnerungen, verliert sich die zeitliche Kontinuität, es entsteht ein spiegelhafte Reflektion von Kindheit und jungem Erwachsensein. Doch Beňová präsentiert noch mehr ästhetischen Mut, indem sie die Prosa durch das Einflechten von Gedichten bricht. »Parker« funktioniert somit weniger als klassischer Roman, sondern als spannend formulierter, ästhetischer Steinbruch, der dem Leser ebenso mutig wie gekonnt eine offene Form präsentiert, die gekoppelt mit der dichten, redundanzlosen Sprache für ein enorm starkes literarisches Debüt sorgt." Ronald Klein, goon - magazin für gegenwartskultur, 27.03.2009
„Dieses Buch gibt nicht vor, eine große Romanhandlung mit Verwicklungen und schließlich einer Auflösung des Knotens zu bieten, es ist ein Kaleidoskop mit vielen Geschichten, es sind eher kleine Geschichten, wichtige und weniger wichtige, bizarre, ernste und groteske: und nicht eine einzige Seite des Geschehens im Buch ist uninteressant.“ Jiří Olič, SME
“Dies ist keine literarische Konstruktion, dies ist ein Zustand der Seele und des Körpers, einer Seele, die nicht nur in der Lage ist, alles in vollen Zügen zu durchleben, sondern auch dabei literarisch gewinnt. Es ist der bewundernswerte Zustand einer ewigen inneren Kindheit (an manchen Stellen erinnert es mich an Klees Zeichnungen), der nur insofern überschritten wird, daß die Erzählerin ihn bewußt zu reflektieren weiß – doch stets als ihre Gegenwart.“ Adam Bžoch, Romboid
Veröffentlichungen
Lyrik:
Der Lichtscheue (1993)
Schoßgang (1997)
Nacktfall (1997)
Prosa:
Parker. Ein Liebesroman (2001)
Zwölf Erzählungen und Ján Med (2003)
Geleitplan. Café Hyäne (2008)
In deutscher Übersetzung
Parker. Roman, aus dem Slowakischen von Andrea Kohl-Reynolds, ERATA 2008
