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Michael Goller

1974 am 12. Februar in Karl-Marx-Stadt geboren. 1995-2000 Medienstudium Hochschule Mittweida.
2003-2007 Künstlerinitiative Malfront. 2003-2008 Künstlergruppe Querschlag.


Veröffentlichungen (Auswahl)

Labyrationen. Bilder und Gedichte, mit Mike Wassermann, LLV 2003

Das Malbuch. art fiction, mit Peter Piechaczyk, LLV2006

Konkretes Vergessen, Gedichte & Zeichnungen, mit Mike Wassermann, LLV 2009

Stimmen zum Werk

Michael Gollers fröhliches Versteckspiel mit Mike Wassermann: Konkretes Vergessen
Ralf Julke, L-IZ vom 03.11.2009

Wenn sich die Kunstkritiker mit Kunstworten überschlagen, dann weiß man: Jetzt wird's schwierig. Jetzt hat man es wieder mit KUNST zu tun. Mit dem, was entsteht, wenn der Künstler mit Konventionen und Traditionen bricht. Dann wird es dissoziativ, assoziativ oder skriptural. Dann werden spätestens die Kritiken zu Watte. Und die Kataloge bersten vor Gelehrsamkeit. Das ist nicht unbedingt immer der Fehler der Künstler, die sich auf ihre Art Mühe geben, das zu tun, was ihnen auf der Seele brennt. Was nicht immer gelingt, auch wenn sie sich alle Mühe geben oder arbeiten wie besessen, wie der Chemnitzer Michael Goller, der sich als Dichter Mike Wassermann nennt. Er taucht auch unter beiden Namen auf im Katalog des Leipziger Literaturverlages, hat dort schon "Das Malbuch" veröffentlicht und zwei Bände, in denen er in beiden Gestalten auftaucht: als Illustrator und Dichter.

Das zweite kam in diesem Herbst heraus. "Konkretes Vergessen". Ganz Goller, ganz Wassermann. Die Arbeitsweisen, die der 35jährige an den Tag legt, ähneln sich im Bild und im Text. Was die klugen Kritiker über seine in Ausstellungen gezeigten Bilder sagen, könnten ihre literaturwissenschaftlich vorbelastete Kollegen ganz ähnlich über die Texte sagen.

"Das Fragmentarische und Dissoziative scheinen perfekt geeignet, das Urbild unserer Wirklichkeit abzubilden: Im Rauschen der medialen Eindrücke ist einzig das Flüchtige von Bestand", schrieb Torsten Obrist beispielsweise 2008 in einem Katalog zu Gollers Bildern.

"Seine Malereien sind ornamental, expressiv und erzählerisch in einem, sie mischen Comicelemente mit abstrakter Farbmagie, wollen verstören durch inhaltliche Direktheit und dabei reine Kunst bleiben. Ein realitätswacher Träumer, assoziativ Umschreibender, der Kosmen durch Poesie bannen will", erklärte Dr. Ina Gille 2005 in einem Katalog, wie sie Gollers Kunst sah.

"Michael Gollers Kunst ist beeinflusst von skriptural arbeitenden Künstlern wie auch von expressiver Malerei", meinte Bernd Weise 2001 im Katalog "Labyrationen", dem ersten Buch mit Bildern und Gedichten von Goller/Wassermann in der Edition Erata, die heute Leipziger Literaturverlag heißt.

Wären wir natürlich nie drauf gekommen, wenn die Texte nicht auf der Website des Künstlers stünden. Aber: "Abstrakte Farbmagie"? "Reine Kunst"? "Fragmentarisch"? - Da kann man eigentlich nur noch Georg Christoph Lichtenberg zitieren. Tun wir jetzt aber nicht. Das wäre zu gemein. Natürlich malt Goller keine Quadrate und grauen Flächen. Und manche seiner Gestalten wirken natürlich comic-haft, oft auch einfach naiv, durchgearbeitet selten. Goller, der von 1995 bis 2000 an der Hochschule Mittweida ein "Medienstudium" absolvierte, steht nicht unbedingt in bestimmten Kunsttraditionen oder gar Malerschulen.

Wobei das vielleicht gemein ist, Mittweida hier zu erwähnen. Aber man muss auch nicht in Leipzig studieren, um eine eigene künstlerische Sprache zu entwickeln. Es hilft, wenn es um Technik und Training geht. Wer freilich eher um ein eigenes Profil, eine eigene Auseinandersetzung mit dem Dingen kämpft, der macht dann eher wie Goller in einer Künstlerinitiative Malfront oder einer Künstlergruppe Querschlag mit. Die Namen sagen schon einiges. Auch wenn man sich 100 Jahre nach Geburt der Post-Moderne so langsam fragt: Gegen was kämpfen die jungen Burschen da eigentlich? Geht es tatsächlich immer noch (oder wieder) gegen die Etablierten, die manchmal auch ganze Lehrstühle besetzen? Oder geht es um die Attitüde des "Das ist KEINE Pfeife!"?

Oder ist es nicht eher der alte, nimmerermüdende Kampf mit dem eigenen kleinen Leben: "gott ist überall", wie Goller alias Wassermann eines seiner Gedichte nennt. Und es ist nicht das einzige, wo dieses für viele Dichter so elementare Ringen mit sich, der Welt und dem ganzen Rest durchschimmert. Durchschimmert wie durch ein fadenscheinig gewordenes Gewebe. Denn das sind Wassermanns Texte im Grunde. Keine schönen, bildhaften oder gar harmonischen Gedichte. Das versucht er so gut es geht zu vermeiden. Aber das ist das Beeindruckende an Sprache: Man kann sie zwar demontieren, bis die Zusammenhänge flöten gehen. Und die postmodernen Dichter haben ja im letzten Jahrhundert alles ausprobiert, was man mit Sprache nur anstellen kann. Aber wann man auf Worte nicht verzichten will - und so weit geht Wassermann eben nicht -, dann bleiben die Assoziationen da. Und es gibt eben haufenweise Worte in der deutschen Sprache, die bringen eine ganze Wagenladung von Assoziationen mit (anders als die Kunst-Worte von "dissoziativ" bis "skriptural").

Und so kommt diese Suche des noch immer recht jungen Chemnitzers nach dem Ur-Grund aller Gründe eben in seinen Texten genauso zum Vorschein wie in seinen Bildern. So, wie in seinen Bildern Gesichter, Hände, Schatten und kleine Gestalten sichtbar werden, die irgendwie wie aus Höhlenmalereien oder aus dem Buch der Maya entsprungen scheinen, so taucht neben Gott und Chaos und Welt (na, größer geht's nun wirklich nicht) auch das Ur-Motiv aller Ur-Motive auf - etwa in "So und So II": "Mondlicht fiel auf deine Schenkel ..."

Klar: Der Künstler möchte sich nicht gern in seine Karten schauen lassen. Aber das heißt nicht, dass man in seinen Arbeiten nichts entdeckt, auch wenn sie sich widerborstig geben und beim Lesen zu spüren ist, wie der Autor sich richtig anstrengen musste, bestimmte Bilder und Handlungsmuster zu vermeiden. Aber wie bekommt man heute noch hin, wozu Rabelais noch tonnenweise Papier brauchte? Das ist ja nicht ganz neu, dass man die Mythen und Legenden der vorhergehenden Kunst-Macher zerfetzen, entlarven und karikieren möchte. Aber was bleibt da, wenn die Assoziationen dann fast automatisch hinführen zu "deine / Brüste troffen vor / Milch, wer sollte / sie trinken ..."

Naja. Es ist wirklich nicht leicht, heute noch immer jung zu sein und etwas unverwechselbar Eigenes zu schaffen, wo doch alle die da Vincis und Baudelaires schon da waren. Und auch über "Verzweiflung. Staubkorn. Wind. Leere." haben schon so Viele geschrieben. Jeder Text ist ein Kreuzweg. "fürchtet euch nicht", zitiert Goller die Bibel. Das tut er öfter - und es fällt auf. Hier ist einer auf der Suche, spricht von Ängsten und Unsicherheiten. Und eh das einer merkt, tritt er seinem Vers mal lieber auf die Kehle (um Majakowski zu zitieren, der da nur ein klein wenig anders meinte). Und dann? - "der weg der worte: umgeleitet". Das ist dann ein kleiner Blick in die Werkstatt. Und wie heißt die Überschrift zu diesem Gedicht? - "mein reich ist nicht von dieser welt".

 

Zwiegespalten
Neue Wege zwischen Bild und Text, Künstler und Pseudonym

Vielleicht ist es gerade Mike Wassermann, der Michael Gollers neues Buch "Konkretes Vergessen" zu etwas Außergewöhnlichem macht. Der Einblick in das Innenleben des Künstlers, der 40 Gedichte seines "anderen Ichs" Mike Wassermann neben 40 seiner Zeichungen stellt, ist wohl nicht nur unter psychologischen Gesichtspunkten interessant. Denn Michael Gollers Werke sind von ornamentaler, expressiver Kraft. Doch vielleicht ist der Unterschied zwischen Text und Bild gar nicht so groß wie vermutet. Bevölkert der Chemnitzer seine Gemälde doch nicht nur mit menschlichen Gestalten, sondern greift auch auf Schriftzeichen zurück, die jedoch erst als solche erkannt werden müssen. Dieses Buch versteht sich als Begegnung, als Dialog. Kein Neuland für den 35-Jährigen. Als Mitbegründer der Künstlergruppe "Querschlag" bleibt ein Auseinandersetzen mit den anderen Mitgliedern Dirk Hanus, Michael Knauth und Peter Piek natürlich nicht aus. Dabei ist Michael Golller jedoch der Rastloseste von ihnen.
Zwischen Texten und Malen hin- und hergerissen, hilft ihm Mike Wassermann vielleicht dabei, ein weiteres System in seine schöpferischen Welten einzubringen. An den Orten des "Konkreten Vergessens" kann jeder teilhaben am Dialog zwischen Text und Bild, aber auch des Künstlers mit sich selbst.

Chemnitzer STADTSTREICHER 08 / 2009


Intenet-Auftritt

http://www.michaelgoller.com


 

 


Textprobe
aus: Das Malbuch

Galerie-Arbeiten

Zu Mike Wassermann

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