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Jean-Michel Maulpoix

geb. 1952 in Montbéliard, Literaturprofessor in Paris / Nanterre, leitet eine Literaturzeitschrift und veröffentlicht Essays und poetische Werke seit vielen Jahren in den renommierten französischen Verlagen Mercure de France und Poésie / Gallimard.

Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung

Eine Geschichte vom Blau. Aus dem Französischen von Margret Millischer, LLV 2009

Vordergründig geht es um die Farbe Blau: „Eine scheue Farbe ist es, ohne Hintergedanken, Vorahnungen und Absichten, die sich dem Blick nicht jäh aufdrängt wie Gelb oder Rot, sondern ihn an sich zieht, ihn nach und nach zähmt, ihn kommen läßt, ohne ihn zu drängen, so daß er in sie eintaucht und in ihr versinkt, ohne es zu bemerken.“ Blau ist die Farbe des Himmels und des Meeres. Aber: „Eigentlich ist es keine Farbe, eher eine Tönung, ein Klima, ein besonderes Klingen der Luft.“ Es geht um Stimmungen, um impressionistische Momentaufnahmen, denen wir in uns nachspüren können. Es geht um das ungestillte und unstillbare Verlangen, um die Sehnsucht nach der Liebe, nach den Göttern, die in unserem Kopf nicht sterben, darum, daß wir niemals von der Liebe erlöst sein werden. Es geht um die großen Menschheitsfragen von Liebe und Tod, um den Zwiespalt zwischen erlebter Vergänglichkeit und ersehnter Unendlichkeit. Vergeblich, aber ungebrochen versuchen wir, mit Worten dagegen anzuschreiben.

Der Geistschreiber. Aus dem Französischen von Jürgen Strasser, LLV 2009

"Ein Schriftsteller ist ein imaginäres Geschöpf. Man träumt von ihm, man begegnet ihm nicht. Er existiert nicht, er tut nur so als ob. Es ist fast nur ein Name, eine Art ausgemachtes Bild oder spät eintretende Legende, die Photographie eines einzigen Mannes, die von vielen gemacht wurde." (JMM)

Wer Freude an feinsinnigen Nuancen hat, wird sich gerne vom imaginären Schriftsteller bei der Hand nehmen und auf eine Reise durch Paris und andere europäische Städte einladen lassen. Es sind nicht die spektakulären Sehenswürdigkeiten, die uns der Schriftsteller zeigt, sondern die Kleinigkeiten des Lebens, die kaum in einen Reiseführer Eingang finden, uns aber dennoch so vertraut erscheinen, weil wir ihnen an vielen Orten hundertfach begegnet sind. Ähnlich ergeht es uns mit dem Protagonisten selbst, der uns mit seiner Vermengung verschiedener Identitäten den Eindruck vermittelt, schon einmal seine Bekanntschaft gemacht zu haben.

Kommentar zu "Briefe an einen jungen Dichter" von Rainer Maria Rilke

Dieser Briefwechsel dreht sich um ein zentrales, beharrlich wiederkehrendes Motiv: "daß Sie vertrauensvoll und geduldig die großartige Einsamkeit an sich arbeiten lassen". Hier wird eindeutig der notwendigen Stärkung des Selbstvertrauens der Vorrang vor jeder literarischen "Erziehung" eingeräumt. Rilke bemüht sich, das Eigene und das Mög­liche seines Gesprächspartners und seines Lesers herauszustreichen. Darin be­steht zum Großteil der Erfolg dieser Briefe. Es sind vor allem Briefe über das Leben. Es ist ein kleines Buch voller Lebensweisheit, Ermunterungen und Verhaltens­regeln, in dem das Leichtsinnige abgelehnt und der Ernst des Lebens betont wird. Die Entschlußkraft und innere Sicherheit seines Lesers soll gefördert, seine Selbständigkeit, seine Unabhängigkeit und sein Mut sollen gestärkt werden. Damit wurde es zu einer wertvollen kleinen Abhandlung, in der es vorrangig um Einsamkeit, Geduld, Liebe und Dichtung - für Rilke die vier Hauptkomponenten des menschlichen Lebens - geht.

Stimmen zu den Büchern

"Maulpoix leistet eine Hommage an die Rolle des Schriftstellers. Sein Buch ist wichtig, weil es den Wesensgrund der Menschheitsgeschichte aufdeckt." Le Monde

"Dass aus dieser Spannung zwischen Lebensfülle und erfüllter Gedankenleere keine Todesromantik hervorgeht, sondern trockene Zustands- und Ahnungsbeschreibung, gehört zum Schönsten an diesen Prosagedichten." Joseph Hanimann

"Ein faszinierendes Stück französischer Gegenwartslyrik!" Ralf Julke

"Diese Geschichte, die aus vielen feinen Prosagedichten besteht ist mehr als eine bloße Zustandsbeschreibung von Himmel und Meer, es sind die Worte eines Spähers, der erkennen will, um zu verstehen, der erklären will, was er erkannt hat, es sind Zeugnisse über die hundertfachen Möglichkeiten, der Elemente sich zu wandeln und Gefühle in den Menschen hervorzubringen." Hauke von Grimm

„Man möchte sie auswendig lernen, diese Gedichte, die so durchsichtig und klar sind wie die Kleinen Prosagedichte von Baudelaire!“ Catherine Portevin, Télérama

"Ein Liebesappell!" Chantal Colomb-Guillaume

"Persönlicher Ausdruck und allgemeine Idee in einer alles vermittelnden Musikalität..." Thomas Leitner

Rezensionen

Maulpoix kommentiert Rilke: Du musst dein Leben - hmm - annehmen!
Ralf Julke, L-IZ vom 12.03.2010

Jean-Michel Maulpoix ist etwas, was eigentlich nach klassischem Verständnis schwer unter einen Hut zu bekommen ist: Dichter, Literaturwissenschaftler und Dozent. Er unterrichtet an der Universität Paris X in Nanterre. Zeitgenössische Lyrik ist sein Steckenpferd. Da gehört dann auch Rilke dazu. Genau dieser Bursche, für den Einsamkeit und ein mönchisches Leben die Grundlagen allen Dichtens sind. Und Dichten eine Art, Welt zu erfassen, das Leben zu bewältigen. Was Rilke für Generationen von jungen Leuten natürlich interessant gemacht hat. Als Wegbegleiter, Gesprächspartner in Situationen, in denen es gilt, wieder mit sich ins Reine zu kommen. Denn Leben ist kompliziert. Nicht nur das in Gottes schöner Welt, auch das in den hektischen Städten der Moderne. Darüber hat ja Rilke seinen Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" (1910) geschrieben, der nur so gespickt ist mit Querverweisen auf den 1880 erschienen Roman "Niels Lyhne" von Jens Peter Jacobsen, einem dänischen Autoren. Zwei Versuche, die Individualität des Menschen zu beschreiben in einer Welt, in der die Wegmarken immer flüchtiger werden.

Für Rilke war das große Schreckenserlebnis: Paris. 1902/1903. Das spielt hier nicht ohne Grund eine Rolle, denn in dieser Zeit schrieb Rilke auch seine Briefe an Franz Xaver Kappus, die "Briefe an einen jungen Dichter". Sie erschienen - von Kappus selbst herausgegeben - 1929, nach Rilkes Tod. Und sie bilden ein für sich stehendes Buch, das immer wieder neue Auflagen erlebt, weil Rilke zwar auch über Dichtung schreibt, aber auch über die Lebensfragen, die einen so beschäftigen, wenn man nicht mehr ganz so jung und naiv ist. Maulpoix ist nicht der erste, der den Dialog mit dem nicht wirklich viel jüngeren Kappus als eine Art Selbstverständigung des schon bekannteren Dichters beschreibt. Und so nebenbei auch zu dem Fazit kommt, dass Rilke dem Jüngeren im Grunde nur einen Rat gibt (auch wenn er sich elegant bemüht, dem Briefpartner, der mit seiner beginnenden Offizierslaufbahn nicht ganz so glücklich ist, gar keine Ratschläge zu geben): Nimm dein Leben an. Aber das hätte er vielleicht im E-Mail-Zeitalter so kurz gefasst. Doch weil Rilke selbst das Briefeschreiben als schöpferische Arbeit betrachtete, bekam Kappus eine Menge Papier geschickt, auf dem Rilke seine Gedanken zu dem erörterte, was im Grunde die Eckdaten seines Lebens und seiner Dichtung ausmachte.

Und Maulpoix genießt es sichtlich, den Motiven nachzugehen. Rilkes Beziehung zum Göttlichen, zur Armut, zur Hingabe, selbst zur Mutterschaft. Das kommt ja alles vor bei Rilke. Und zwischen 1903 und 1908, dem Zeitraum, in dem die Briefe geschrieben wurden, veränderte sich die Motivwahl nicht wesentlich - wurde nur deutlicher, inniger möchte man sagen. Man kann fast zuschauen, wie wesentliche Motive reifen, wie Rilke seine Begegnung mit dem Bildhauer Rodin und der Katastrophe Paris sich ausformen zu Rilkes Versuch, eine eigene Sprache zu entwickeln und eine eigene Selbstvergewisserung zu finden. Das berührt Maulpoix nur. Aber es ist die Essenz: Wie kann einer noch schreiben, wenn die Welt zu rasen begonnen hat und der Einzelne aus seinen Zusammenhängen gerissen wird? - Sieben Jahre brauchte Rilke, um das verstörende Erlebnis Paris im "Malte Laurids Brigge" zu verarbeiten - genauso bruchstückhaft und fragmentarisch, wie er es erlebt hat. Maulpoix nimmt ihm die Verstörung am gerühmten Paris auch nicht krumm. Er kennt das ja selbst. In "Eine Geschichte vom Blau" sucht er auf seine Weise den Einklang mit den unfassbaren Facetten des Vorgefundenen. Und im "Geistschreiber" wühlt er in der nicht wirklich einfachen Berufsbeschreibung des Schriftstellers, der spätestens dann, wenn er mit der Feder am Schreibtisch sitzt, höllisch allein gelassen ist mit sich und der Welt.

Dann mach mal was draus. Übrigens: Auch da formt sich dieser vage, aber richtige Gedanke: Schreiben kann einer nur wirklich gut, wenn er im Einklang ist mit seinem Tun. Was alle zermürbenden Widersprüche und Selbstzweifel einschließt. Rilke ging es nicht besser. Er hat sich immer wieder seine Ruheorte gesucht - und hat sie fluchtartig verlassen. Denn einer wie er trägt die Unruhe im eigenen Kopf. Der findet zwar Paris verstörend und erschreckend - aber Paris ist im Grunde ein sehr gutes Außenbild für das, was Rilke zeitlebens in seinem Schreiben zu bändigen versuchte, umzuformen versuchte in ein mönchisches Leben und den großen Glanz von innen.

Der Leipziger Literaturverlag hat Jean-Michel Maulpoix' Kommentar zu Rilkes "Briefe an einen jungen Dichter" mit eben jenen Briefen in einem Bändchen zusammengetan und auch das umfangreiche Glossar beibehalten, mit dem Maulpoix seine Thesen und Interpretationsansätze begründet. Das sind in weiten Teilen französische Quellen. Rilke hat in Frankreich augenscheinlich eine große und interpretationsfreudige Anhängerschaft. Und augenscheinlich auch viele junge Leser, die immer wieder aufs neue die Briefe an den jungen Kappus für sich entdecken. Auch dann, wenn sie wohl wie Kappus niemals ernsthaft beginnen, den Weg des Dichters einzuschlagen. Aber diese sehr nachdenkliche Nahtstelle, mit der sich Rilke gerade in diesen Briefen beschäftigt - zwischen der Wirklichkeit und dem Anspruch an das eigene Leben - die scheint bis heute immer wieder junge Leute zu interessieren. Vielleicht auch nur, um eines Tages das zerlesene Exemplar von den "Briefen an einen jungen Dichter" ins hinterste Regal zu verbannen und für sich zu beschließen: Das ist mir jetzt zu anstrengend. Ich gründe lieber eine Familie. Oder was man halt noch so tut, wenn man keine "Duineser Elegien" schreiben will. Oder kann.

Über das harte Handwerk des Schreibens: Der Geistschreiber
Ralf Julke, L-IZ vom 06.12.2009

Der Geistschreiber.Natürlich ist es ein Spiel mit Worten, wenn Jean-Michel Maulpoix seinen 1994 erschienenen Essay-Band "L'écrivain imaginaire" nennt. Das erinnert natürlich an Molières "Eingebildeten Kranken". Aber das Wort "imaginaire" hat so seine Tücken. So kann man es hier nicht übersetzen, fand denn auch Jürgen Strasser. Er hat Maulpoix' Essay jetzt ins Deutsche geholt. So weit das möglich ist. Und das ist es natürlich nicht 100prozentig. Dessen ist sich Strasser bewusst. Oft genug spielt der 1952 geborene französische Literaturprofessor nicht nur mit den Nuancen und Chamälionaden seiner Sprache, er greift auch munter hinein ins Zitate-Repertoire der französischen Literatur. Sein Forschungsobjekt: der imaginäre Autor. Das Wort hat sich nicht ohne Grund über die Sprachgrenze gerettet und ist mit "eingebildet, scheinbar, nur in der Vorstellung bestehend" nur in Teilen erklärt, ist in wesentlichen Komponenten viel näher mit dem lateinischen Ursprungswort imago verwandt, dem Bild und dem Sich-ein-Bild-machen.

Da ist schon erstaunlich, wie die deutsche Wort-Fügung ein-gebildet entstehen konnte aus der keineswegs schlüssigen Symbiose mit (angemaßter) Bildung. Dazwischen liegen Welten – und verraten sehr viel über deutsche Sprach-Boshaftigkeit. Und auch darüber, dass ein deutscher Literaturprofessor wohl niemals so ein Buch schreiben könnte, ohne zwischen U und E, Hoch und Nieder, Klassisch und Avantgardistisch, Links und Rechts in die moralische Klemme zu geraten. Es ist erholsam, wieder einmal zu lesen, wie farbenfroh, locker und nachdenklich sich über Literatur-Machen schreiben lässt, wenn man den deutschen Moral-Ballast nicht mitschleppen muss. Wenn man wie Maulpoix seine Gedankenfäden bei den ganz Großen und am Ende nie wirklich Einsortierten anknüpfen kann. Zuallererst natürlich bei jenem Burschen, der am 12. Dezember wieder einmal Geburtstag hat: Gustave Flaubert, ein Felsen, an dem sich die Kritiker die Rücken schaben und der die Literatur-Sezierer dereinst mit dem Satz erschreckte: "Madame Bouvary – das bin ich."

Kein anderer Autor in Frankreich hat sich so intensiv mit den Nöten und Schweißtropfen des Schreibens beschäftigt, so intensiv und detailversessen an seinen Sätzen gearbeitet, aus denen er seine Romane baute. Der Bursche scheint recht leibhaftig durch die ersten Kapitel von Maulpoix' Essay zu wandeln, exemplarisch für den latenten Widerspruch zwischen Schreiben und Leben, den Flaubert natürlich aushalten musste. Und da gibt es einiges auszuhalten, wie Maulpoix zu schildern weiß. Denn: "Ein Schriftsteller ist ein imaginäres Geschöpf. ... Er existiert nicht, er tut nur so." Denn natürlich entsteht das, was er zu sagen hat, erst, wenn er es mit schwarzer Schrift auf weiße Blätter gebannt hat, geschliffen, geformt, ausgebeult und zurechtgehauen, bis der Satz tatsächlich dem entspricht, was der Einsame am Schreibtisch – so ungefähr – fassen wollte. Es sind auch recht pessimistische Szenen, die Maulpoix da teilweise malt, sich dessen gut bewusst, dass es ohne so eine Selbst-Kasteiung nicht geht, dass die Sprache viel Mühe braucht, bis sie so lebt und leuchtet, wie es der Autor gern möchte. Und so lebt denn zwar das, was er schreibt – überlebt ihn sogar. Aber macht es ihn glücklicher? Lauert die persönliche Lebenskatastrophe nicht längst auf ihn? Wie erging es denn Baudelaire und Rimbaud, die Maulpoix natürlich auch zitiert? Strasser findet auch Zitate von Proust, Camus und Eluard.

Jeder wie beiläufig ertappt bei dem Versuch, die lebendige Wirklichkeit mit Geschichten, Parabeln und Gedichten zu übertrumpfen – doch jeder kleine Triumph augenscheinlich erkauft mit Verlust an eigenem Leben. "Durchlöchert von Wörtern und zerfressen von Versen ..." – Man beneidet sie nicht. Ahnt aber, dass es ohne dieses Verausgaben nicht geht. Dass es ohne das einen Großteil der wirklich faszinierenden Weltliteratur nie gegeben hätte. Literatur, die so unvergänglich wirkt, wenn sie – schön gebunden – im Regal steht. Und der Autor, dieser imaginäre? – Augenscheinlich erfährt er eben doch, wie die Schreib-Arbeit an ihm nagt, wie sein Leben sich in Worte verwandelt und nicht nur das Leben tickt, sondern auch der Tod seine Rechnung stellt. Für einen 42-Jährigen ein sehr wehmütiges Buch, gespickt mit etlichen Ausflügen – an die Loire, nach Oostende, nach Paris. Ausflüge, die nur auf den ersten Blick wie kleine Reise-Feuilletons wirken, auf den zweiten aber auch nur wieder das Thema Leben umkreisen– als Reise, Ebbe und Flut, dem Betrachten des Meeres. Keine Streiflichter aus Reiseführern. Eher kleine Miniaturen über die scheinbar so nebensächlichen Dinge des Alltags, die den Orten und Zeiten erst die unverwechselbare Farbe geben und die Atmosphäre, die sie vertraut macht.

Und die erst durch ihre genau erarbeitete Dichte das erzeugen, was Leser aus wirklich guten Romanen und Gedichten kennen: die Faszination der Gegenwart – und die stille Furcht, genau diesen Moment wieder zu verlieren. Man sieht: Er ist nicht zu beneiden, dieser fiktive Schriftsteller, den Maulpoix hier aus diversen Kollegen der schreibenden Zunft erzeugt hat. Er kann einem Leid tun. Und man versteht doch ein wenig, warum er sich so quält. Denn ohne diesen "Mann mit einem Kreideherz" gäbe es keine dieser Geschichten, die man jederzeit aus dem Regal holen kann, wenn einem die Wirklichkeit zu grau, zu faserig, zu löcherig erscheint. Da kommt der 12. Dezember gerade wieder recht. Da lohnt es sich, sich mit Maulpoix hinzusetzen, einen netten Wein zu schlürfen und alleweil den Kopf zu schütteln über diese unvernünftige Gilde der Dichter, die an einer Romanfabel basteln, als müsste sie unbedingt 100 Jahre halten und mehr. Wer tut das heute schon noch? Es ist so herrlich anachronistisch, sich vorzustellen: Die modernen Pécuchets beim Lesen von Flaubert ...

Leerraum der Götter

Eine Geschichte des Blau, die sich laut Rilke schreiben ließe, handelt zwangsläufig vom Himmel und vom Meer, von der Seele, der Unendlichkeit und der Liebe. Der französische Dichter Jean-Michel Maulpoix greift in seinem Band mehr den Gedanken als das Projekt einer solchen Geschichte auf. Seine Prosa-Notate sind wie Gedankenvignetten, die zwischen den Kapiteln einer Monographie des Blau stehen könnten: horizontfarben, klar und verschlungen: "Die Erde macht keine Umstände: Gern nimmt sie unsere Knochen. Doch der blaue Himmel verschmäht unsere Blässe, unsere Kindereien und Zirkuskunststücke." Wozu also Girlanden und Goldketten zwischen die Galaxien spannen, wo unser Körper "voller Steine, bereits hingestreckt", nach und nach ins Blaue sich auflöst? Blau ist für den Autor die Farbe der Bewegung, des Übergangs, "eine Farbe zum Sterben". Eigentlich aber sei es keine Farbe, "eher ein besonderes Klingen der Luft, ein Stapel Helligkeit, ein Farbton, der entsteht, wenn Leere mit Leere versetzt wird". Dass aus dieser Spannung zwischen Lebensfülle und erfüllter Gedankenleere keine Todesromantik hervorgeht, sondern trockene Zustands- und Ahnungsbeschreibung, gehört zum Schönsten an diesen Prosagedichten. Vor der Aufforderung der metaphysischsten aller Farben - "Das Meer ist der Leerraum der Götter" - duckt der Blick sich nie weg, doch fängt er im Schlusskapitel seinen Gegenstand in unmittelbare Nähe: "Emma liebte das Blau." Gemeint ist das Blau der Kleider und Bänder - "das Meer jedoch hatte sie niemals gesehen". Margret Millischer beherrscht in ihrer Übersetzung vorzüglich beide Register. han. F.A.Z.

Es ließe sich denken das jemand eine Monographie des Blau schriebe. So meinte einmal Reiner Maria Rilke und Jean-Michel Maulpoix hat sich diesen Rat angenommen und seine Lieb zu Blau in Worte gefasst. Er
schreibt : "Eine scheue Farbe ist es, ohne Hintergedanken, Vorahnungen und Absichten, die sich dem Blick nicht jäh aufdrängt wie Gelb oder Rot, sondern ihn an sich zieht, ihn nach und nach zähmt, ihn kommen läßt,
ohne ihn zu drängen, so daß er in sie eintaucht und in ihr versinkt, ohne es zu bemerken." Es fällt mir schwer zu jemanden, der soviel so schön formulieren hat etwas zu schreiben das nicht banal klingt. Der Autor muß sehr lange zum Himmel hinauf und sehr lang zum Meer hin geschaut haben und seinen Texten ist zu entnehmen das er noch nicht genug davon hat und auch nie zuviel davon bekommen kann. Eine Ausdauer und Ruhe strahlen seine Worte aus, in ihnen ist die Dankbarkeit und die Neugier, die man braucht um mit wachen und vorfreudigen Augen durch die Welt des Blau zu gehen. Auf 180 Seiten sind genauso viele Texte zu lesen, allesamt einzeln ein
schöner Splitter vom Blau und zu genießen, aber alle zusammen machen sie erst die Fülle an Entdeckungen aus die der Beobachter Maulpoix gefunden hat und die er dem Leser mitteilt, wie ein Freund der am Strand neben
uns sitzt und berichtet wie er gerade diese Blaue Welt wahrnimmt. Aber diese Geschichte, die aus vielen feinen Prosagedichten besteht ist mehr als eine bloße Zustandsbeschreibung von Himmel und Meer, es sind die
Worte eines Spähers, der erkennen will, um zu verstehen, der erklären will, was er erkannt hat, es sind Zeugnisse über die hundertfachen Möglichkeiten, der Elemente sich zu wandeln und Gefühle in den Menschen
hervorzubringen. Die Texte verweben die Zustände die man vorfinden kann mit denen im Leben und so webt sich jeder Text auch in einen selbst ein und weiter.
Immer wieder muß man dieses Buch zur Seite legen um nachzudenken und die Sätze auch sich wirken zu lassen, so wie man wartet das der Ozean wieder ruhig dahinrollt oder sich graue Sturmwolken verziehen. Und jedes mal wenn man die Zeilen wieder zur Hand nimmt ist man mittendrin und erinnert sich an das erlesene, erlebte. Der Leipziger Literaturverlag bescherte uns dieses Werk und wie es so seine Art ist erschien
„Eine Geschichte vom Blau“ zweisprachig, in diesem Fall in französisch und deutsch. Übersetzt wurden Maulpoixs Texte von Magret Millischer, die den Schreiber verstanden haben muß und auch die gleiche Zuneigung zu dieser einen mächtigen Farbe teilt. Insgesamt, ein Buch durch das eine kühle, lebendige Brise zieht die, die Gedanke mit auf eine Reise nimmt und die Kraft der Natur vermittelt und die Kraft der Worte. Hauke von Grimm, Radio Blau

Gedichte, die man in Blau einbinden sollte: Eine Geschichte vom Blau
Ralf Julke, Lizzy, 28.02.2009

Soll keiner sagen, es gäbe in deutschen Landen keine Bücher mehr, die sich zu lesen lohnte. Auch wenn sie auf keiner Bestsellerliste und keiner hiesigen Preisträgerbühne auftauchen. Einige davon werden in der Brockhausstraße in Schleußig verlegt. Wie Jean-Michel Maulpoix' "Eine Geschichte vom Blau". Übersetzt von Margret Millischer, das muss vorweg gesagt werden. Ohne die Fleißarbeit begabter Übersetzer würde man zwischen Rhein und Oder nicht wirklich allzu viel erfahren über die großen literarischen Strömungen in der Welt. Und über die Begnadeten da in unseren Nachbarländern. Eine Tauchnitz-Edition, die die besten Stücke der aktuellen Weltliteratur auch in Deutschland zugänglich macht, gibt es ja nicht mehr. Und auch in der gern sich selbst ernennenden Elite ist ein gut Teil der Debattanten schon mit Denglisch überfordert – und streckt bei Französisch schon die Waffen. Griechisch und Latein gehören schon längst nicht mehr zum Repertoire. Das Bildungsbürgertum ist mausetot. Es lebe: Rilke. Der hat noch in zwei Sprachen gedichtet. Und er hat einst in einem hinsinnierten Nebensatz geäußert: "Es ließe sich denken, dass jemand eine Monographie des Blau schriebe." Das steht denn auch als Motto im Buch. Aber der 1952 geborene Jean-Michel Maulpoix hat zum Glück nicht wirklich eine Monographie dieser Farbe geschrieben. Maulpoix ist nicht nur Literaturprofessor und gibt die quartalsweise erscheinende Literaturzeitschrift "Le Nouveau Recueil" (Die neue Sammlung, für Romantiker unter den Lesern: Die neue Blütenlese) heraus, er schreibt und veröffentlicht auch seit Jahren regelmäßig Essays und Lyrik. Und da wäre man bei der Geschichte des Blau, mit der ein faszinierendes Stück französischer Gegenwartslyrik einmal wieder die Sprachschranke überspringen darf. Und siehe da: Baudelaire lebt. Oder besser: Der große Atem seiner Lyrik lebt fort, das, was er selbst nach den "Blumen des Bösen" dem Leser eigentlich vorenthielt – die Ernüchterung nach dem Rausch. Mancher kennt ja den 1821 Geborenen nur als alter ego zu Edgar Allen Poe mit seinem tiefen Pessimismus, seiner selbst im Foto unübersehbaren Melancholie und dem unerbittlichen Hang zu Drogen und Alkohol, den beiden Hauptgründen für seinen frühen Tod. Seine Bildgewalt wirkt bis heute. Und wer eine Farbe nennen sollte für die Ertrunkenen und die die nassen Friedhöfe in seinen skurrilen Balladen, der wird schnell auf ein dunkles, fast schwarzes Blau kommen. Melancholisch ist auch Maulpoix. Und auch bei ihm spielt das Meer eine unübersehbare Rolle. Auch über die Tode in den nassen Fluten schreibt er. Ein ganzes Kapitel widmet er den "Verschiedenen Todesarten", die fast sämtlich nass sind. Doch es ist das Vorletzte von insgesamt neun Kapiteln, von denen jedes einzelne eine neue Erkundung ist. Nicht nur der Farbe Blau, auch wenn sie i allen Schattierungen und Stimmungen die Texte durchzieht, die eine vage Balance halten zwischen Prosa und Gesang, manchmal den hymnischen Ton Walt Whitmans aufnehmen, manchmal an die kurzen Prosastücke von Ritsos erinnern. Und damit natürlich auch daran, das es auch in der Lyrik Strömungen gibt, die nicht einfach abbrechen, bloß weil in irgendeiner Pariser Kneipe ein paar junge Burschen ein Manifest schreiben und eine neue Mode deklarieren. Trotzdem fallen Kritiker aller Fachrichtungen gern auf solche Manifeste herein und negieren fortan alles, was nicht in die erwählte Schule passt. Da vergisst man auch gern das Sensorium für gelungene Texte. Texte, die sich auftun wie kleine Aquarellbilder und in hingetuschten Strichen eine Landschaft zeigen – mal wolkenverhangen, mal herbstlich trübe, mal geschwängert von nahenden Unwetterfronten, mal auch klar und groß wie nach einem heftigen Sommerregen. Himmel und Meer spielen ihre Hauptrollen in Maulpoix Texten, in denen es nur nebenbei tatsächlich um die Farbe Blau geht, sondern so komplizierte Dinge wie Liebe, Trauer, Sehnsucht und Hoffnung. Den ganzen Gefühlsballast, mit dem sich jeder durch sein Leben schiebt. Die einen bedrücken oder auch daran erinnern, dass Leben tatsächlich ein Strandgut ist. Genauso vergänglich wie der heutige Tag. Doch das letzte Kapitel heißt dann: "Letzte Nachrichten von der Liebe". Liebe, die natürlich vergänglich ist und zuweilen auch in Schiffbrüchen endet, in Trauer und Verlust. Oder in der Erinnerung an das Blau einer Schleife, eines Blickes, eines Himmels. Der Verlag hat Hermine von Jandas "Himmel und Meer" als Coverbild gewählt. Es hätte auch Caspar David Friedrichs "Mönch am Meer" sein können oder Monets "Felspyramide von Port-Coton bei rauer See". Fast hätte man sich sogar einen festen Einband und ein blaues Lesebändchen gewünscht. Denn es ist tatsächlich Lyrik zum Eintauchen, zum Drinbaden und Treibenlassen. Eine fragmentarische Annäherung an das große Werden und Vergehen, wie es uns täglich umtost. Auch wenn sich nicht viele die Zeit und die Muße gönnen, dem großen Rauschen zuzuhören und zu widerstrebend zu akzeptieren, dass am Ende alles dem Meer gehört. Uns Menschen gehören nur der Tag und das Blau.

Mit einem schmalen, zweisprachigen Band beschert der junge Verlag Erata dem deutschsprachigen Publikum die Begegnung mit einem erstrangigen Werk der zeitgenössischen französischen Lyrik. Eine Geschichte vom Blau hatte schon Rilke als denkbares Unterfangen erklärt. Dieses Zitat steht gemeinsam mit einer Augustinus-Stelle am Beginn des Buches und gibt den hohen Anspruch des Werkes an.
Bald wird der aufmerksame Leser gewahr, dass „Geschichte“ hier sehr wörtlich zu nehmen ist, und zwar in doppeltem Sinn: Erstens liegen dem Text so durchgängige Stränge zugrunde, dass man fast von einer Handlung sprechen könnte, einer freilich, die in keinen anderen Worten nachgezeichnet werden könnte. Zum anderen reflektieren die einzelnen Abschnitte immer wieder die gegenwärtige conditio humana kontrastiv in der Tradition der europäischen Geistes- und Kulturgeschichte. Die Anklänge an diese sind so zahlreich, die Motive so dicht geknüpft, dass es fast müßig erscheint, einzelne hervorzuheben. Dennoch seien zwei erwähnt, die sich besonders sinnlich einprägen, ohne je expliziert zu werden: Das Blau von Yves Klein erscheint physisch vor den Augen des Lesers, und mehr noch entsteht immer wieder ein mediterranes Azur, wie wir es aus den späten Bildern von Henri Matisse kennen (faszinierend dabei, wie deutlich unterschieden auch atlantisches Meeresblau zu fühlen ist – immer ganz ohne nomenklatorische Hilfestellung).
Belassen wir es bei diesen willkürlich aus der Textur hervorgehobenen, ganz persönlichen Assoziationen. Ansonsten erklärt die Schrift sich unentwegt aus sich selbst, ohne dass diese Selbstreferentialität je die Welthaltigkeit des Geschriebenen beschädigte.
Maulpoix ist neben seinem lyrischen Schaffen als Verleger, Kritiker, Herausgeber tätig, und lehrt Literatur an der Universität Paris-Nanterre. Obwohl das lyrische Ich sich an einer Stelle als „Papiermensch“ bezeichnet: Die enorme Versiertheit des Autors führt nie zu akademischer Selbstzufriedenheit. Er nützt diesen riesigen kulturellen Apparat, den er sich immer wieder neu und kritisch aneignet, zu einer Wirklichkeitserfahrung, in der persönlicher Ausdruck und allgemeine Idee in einer alles vermittelnden Musikalität aufgehoben sind.
Dem deutschsprachigen Leser ist die sehr genaue, unprätenziöse Übersetzung von Margret Millischer eine zuverlässige Hilfe, sich diesem wunderbaren Text zu nähern. Die weitgehende Präzision der Übertragung lässt es, so ganz nebenbei, als sehr empfehlenswert erscheinen, die zweisprachige Lektüre dieses Textes zur Perfektion der eigenen Sprachkenntnisse zu betreiben …Fazit: Der Inhalt? Ganz einfach: Gott und die Welt, das Leben und der Tod. Und, dass angesichts des Todes eben nicht alles sinnlos sei… Thomas Leitner, Romanist und Inhaber der französischen Buchhandlung „Bateau Livre“, 01 / 2009

Wie ein Liebesappell klingt der Gesang des Meeres, wenn der Dichter seine Feder ins Tintenfass taucht. Das Meer spiegelt sich in seinem Blick, wenn er blaue Zeichen auf das Blatt setzt, das offen vor ihm liegt. «Blau ist die Farbe des Blicks, des Inneren von Seele und Denken, Erwartung, Träumerei und Schlaf », schreibt Jean-Michel Maulpoix, der alle Blauschattierungen von ganz hell bis ganz dunkel beleuchtet, denn wie die Farbe des Himmels kann das Blau in Erwartung einer Begegnung von Licht erfüllt oder im Gegenteil Schwarz getönt sein, wenn der Dichter den „Blues“ verspürt und „Verschiedene Todesarten“ in Betracht zieht. Der Titel der Gedichtsammlung geht auf Rilke zurück, der eingangs zitiert wird: «Es ließe sich denken, dass jemand eine Monographie des Blau schriebe», wobei «Monographie» in der französischen Ausgabe von 1992 mit «Geschichte» übersetzt wurde. Der beachtlichen Arbeit von Margret Millischer von der Universität Wien ist es zu verdanken, dass Jean-Michel Maulpoix nun auch für deutschsprachige Leser in der zweisprachigen Ausgabe von Eine Geschichte vom Blau im Erata Literaturverlag-Leipzig zugänglich ist. Die Aufgabe der Übersetzerin war alles andere als einfach, denn wie konnten die ständigen Wortspiele mit der weiblichen Form des Wortes, mit dem im Französischen das Meer bezeichnet wird („la mer“), wiedergegeben werden? Das Meer ist eine Frau, die kommt und sich zurückzieht, die den Dichter fasziniert, verführt, umarmt, aber gleichzeitig auch die Sprache, die blaue Sprache der Worte, die das Herz des Dichters erfüllt. Dort, wo im Deutschen also „Sie“ steht, darf man nicht nur die Frau, sondern auch die Sprache und das Meer/die See sehen: «Sie wartet, sie ist da. Treu und nahe, tief und blau». Jean-Michel Maulpoix ist der Autor eines umfangreichen – dichterischen und kritischen – Werkes, er ist der Begründer einer „kritischen Lyrik“, die mit der Gründung der Zeitschrift Recueil im Jahr 1984 bekannt wurde, welche zehn Jahre später in Le Nouveau Recueil umbenannt wurde und nun im Internet zugänglich ist. Maulpoix hat dem Gesang, der durch den Strukturalismus bedroht schien, seine ganze Kraft zurückgegeben und die Lyrik wieder aufgewertet, wobei er diese jedoch gleichzeitig in den Gedichten selbst in Frage stellt. Die Lyrik der Geschichte vom Blau ist folglich eine meditative Lyrik, die sich niemals zu einer naiven Weltsicht hinreißen lässt, sondern im Gegenteil um deren Endlichkeit weiß. In einer Monographie des Blau ist der Tod unweigerlich präsent, denn das Meer kennt den Tod ganz genau: «Den Verstorbenen bringt es die gleiche traurige Zuneigung entgegen wie alte kinderlose Frauen den Nachbarskindern». Die kritische Lyrik ist primär eine in die Krise geratene Lyrik, die sich dessen bewusst ist, doch in den Gedichten von Jean-Michel Maulpoix der Sprache und der Liebe vertraut, um die Krise, wenn schon nicht zu überwinden, so doch in ihr zu leben, mit allen Farbnuancen des Blau, und ohne die Schwierigkeit außer acht zu lassen, was es heißt, „in Zeiten der Bedrängnis“ Dichter zu sein. Chantal Colomb-Guillaume, Gastprofessorin Universität Trier, 01 / 2009

 

" Une histoire de bleu, de Jean-Michel Maulpoix vient de paraître dans la collection Poésie/Gallimard. Que voilà une bonne idée ! Parce que donner à tout un chacun la possibilité de découvrir ce texte est bigrement bien. Une histoire de bleu, qu'est-ce que c'est ? Un livre pour les amis de la poésie, pour les peintres, pour les musiciens. Un livre qui ne se laisse pas dire, mais qui parle si bien de lui même :
L'air que nous respirons, l'apparence de vide sur laquelle remuent nos figures, l'espace que nous traversons n'est rien d'autre que ce bleu terrestre, invisible tant il est proche et fait corps avec nous, habillant nos gestes et nos voix. Présent jusque dans la chambre, tous volets tirés et toutes lampes éteintes, insensible vêtement de notre vie.
Le bleu, c'est tout ça, et bien d'autres choses encore que Jean-Michel Maulpoix n'oublie pas de livrer en neuf chapitres de neuf textes chacun, soit quatre-vingt une proses pour dire le bleu, commele tour d'horizon d'un sujet inépuisable." Azulejo, 12 février 2006

Nul visage aux fenêtres où les chats se lèchent interminablement les pattes.
"Jean-Michel Maulpoix aime le bleu, le lyrisme et la poésie. Il en résulte un joli recueil en poésie/Gallimard. Voulant respecter cette harmonie, j’ai passé un certain temps à choisir un marque-page dans les tons bleus car l’art du marque-page est corrélé à celui du bien lire. La poésie en prose de Maulpoix est limpide comme un ruisseau d’été, puissante comme un océan. Le bleu, cette couleur de l’entre-deux, permet de relier l’intime à l’universel, donne « au langage le soin de courtiser l’impossible ». Car telle est peut-être la maladie lyrique de Jean-Michel Maulpoix, celle d’un être qui ne se résigne pas, qui se refuse à n’être qu’ « une créature d’aéroport », «un homme hérissé d’antennes [qui] essaie de capter son amour sur les ondes». Ce filigrane bleu, en somme, on peut le lire comme une note d’espoir, comme un fil précieux qui met du baume au cœur : « Tu vas dans la mer, rincé de ta mélancolie».

L'avis de la Fnac sur "Une histoire de bleu" de Jean-Michel Maulpoix
À 54 ans, Jean-Michel Maulpoix s’affirme comme l’un des principaux théoriciens de la poésie contemporaine et des promoteurs du « lyrisme critique », grâce à toute une série d’essais publiés chez José Corti et à la revue qu’il dirige chez Champ Vallon, Le Nouveau Recueil. Cette édition de poche reprend sous une même couverture deux de ses principaux livres, qui lui ont valu, lors de leur première parution, en 1992 et en 2000, un écho qui dépasse le cercle restreint des amateurs habituels de poésie. Le premier ouvrage est une série de variations en prose sur la couleur bleue, le second une méditation sur la condition du poète, de nature autobiographique mais sous-tendue par une réflexion aiguë sur le destin de Mallarmé. Le prodige est que tout cela s’offre au lecteur sans exiger de lui la maîtrise d’une multitude de références : car si intellectuel qu’il soit, Jean- Michel Maulpoix est d’abord un poète de la sensation et de l’aventure intérieure.
Epok, l'Hebdo de la Fnac.

Le bleu Maulpoix: entre indigo et outremer
par Fabrice Gaignault
Lire, juillet 2006 / août 2006

"Jean-Michel Maulpoix nous invite à voyager dans une couleur parfois languide, jamais livide.
Ted Hughes, lorsqu'il décrit l'âme tourmentée de sa femme, la poétesse Sylvia Plath, utilise à plusieurs reprises la couleur bleue. Jean-Michel Maulpoix a choisi cette teinte, à moins qu'elle ne se soit imposée à lui, pour peindre ses mondes, intérieur et extérieur. Un bleu qui serait formé de tous les bleus, comme un arc-en-ciel qui passerait par l'indigo et l'outremer. Du bleu du ciel où rien ne vient troubler le limpide ordonnancement des songes au bleu noir comme un blues où échouent les interrogations sans réponses d'un poète sensible se réclamant volontiers d'un «lyrisme critique». Grand œil bleu de la femme «vague-à-l'âme», visage bleu du mort anonyme allongé sous la terre, mer bleue où des algues tapissent le fond comme des énigmes un peu inquiétantes, Une histoire de bleu en fait voir de toutes les couleurs à la conscience du lecteur happée par ces poèmes en prose où il est dit que «le bleu ne fait pas de bruit», parce qu'il est «timide» et volontiers enclin «à la disparition», à l'évasion. On songe au vers si fameux d'Eluard: «La terre est bleue comme une orange.» Tout nous ramène sans cesse à cette couleur des origines, semble nous murmurer Maulpoix, le bleu de l'enfance abolie («Tout ce que j'ai aimé, tout ce que j'ai perdu, avait le goût de mon enfance»), mais aussi plus loin encore le bleu égéen de la Grèce antique où les hommes avaient rencontré quelque chose qui ressemblait à la beauté."


 


Textprobe
aus: Eine Geschichte vom Blau,
Der Geistschreiber

Zu den Übersetzern:
- Margret Millischer
- Jürgen Strasser

Zu den Büchern:
- Eine Geschichte vom Blau
- Der Geistschreiber
- Kommentar zu Rilke