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Christine Pfammatter

geb. 1969 in Leuk-Stadt, Schweiz, lebt in Berlin, Studium der Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte in Bern und Fribourg, Veröffentlichungen in manuskripte, entwürfe, ndl, Nord Sud Passage, in der Anthologie Natürlich die Schweizer! u.a., Arbeitsstipendien der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Berlin, der Dürr-Stiftung, Elba, und Chretzeturm, Stein am Rhein

“... äußerst unterhaltsam ...” Westdeutsche Allgemeine Zeitung

“Augenzwinkernd, kritisch, spannend, eingängig & amüsant.” Stuttgarter Nachrichten

“Stoff für gute Gespräche und mehr!” Basler Zeitung

Veröffentlichung

Zuviel Sonne. Geschichten, ERATA 2008

Stimmen zum Buch^

"So schlicht die Sprache und knapp die Geschichten - sie legen trotzdem einiges offen. Zum Beispiel die gut geschulte Beobachtungsgabe der Autorin, zum Beispiel jene Art Humor, die auf leisen Sohlen daher- und deshalb bestens ankommt." Waliser Bote, 6. 10. 2008

 

"Meine sehr verehrten Damen und Herren, lange haben wir warten müs-sen, es sind viele Lenze ins Land gezogen und ebensoviele Herbste, bis dieses Jahr, spät im Sommer, endlich, ist man versucht zu sagen, »Zu-viel Sonne« erschienen ist, das erste Buch von Christine Pfammatter, ein Band mit Erzählungen, aus dem sie uns heute Abend hier im Rat-haus von Leuk lesen wird. »Zuviel Sonne« – wie wir vom Wetter spre-chen, so schreibt Pfammatter vom Leben. Das »Kaiserwetter«, von dem die Rede ist, der »Regen«, der seit Tagen vom Himmel fällt, und die win-terliche »Kälte«, die im Treppenhaus herrscht, sind die Begleitumstände einer Existenz, die den Umständen ausgesetzt ist. Aber das Schreiben kann den Windigkeiten und Verblendungen des Alltags nicht entgegen-stehen, es kann sie nicht größer oder kleiner machen, als sie sind, es muss sie aufnehmen, in sich ›aufheben‹ und aus sich heraus neu ›er-zählen‹, auf dass uns das scheinbar Bekannte, das Banale und das Pro-fane auf wundersame Weise befremde und fasziniere. Das ist der sprin-gende Punkt, wenigstens in der Kunst. Man gewinnt an keiner Stelle des Buches von Christine Pfammatter den Eindruck, dass die Autorin etwas erfinden würde. Und trotzdem kommen uns die dargestellten Tatsachen und Meinungen nicht einfach bekannt vor. Aus dieser kleinen, subversi-ven Verschiebung resultiert das Besondere, nennen wir es das ›Feld der Möglichkeiten‹. Es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu sehen und zu sa-gen. Pfammatters Schreiben ist ein gutes Beispiel dafür, dass Blicke, die sich lohnen, uns bestimmte, das heißt begründete Möglichkeiten vor Augen führen. Es muss nicht sein, dass uns die Kunst die Augen öffnet, wie man es immer wieder hören kann; erst einmal zwingt sie uns, wenn wir uns denn überhaupt auf sie einlassen, mit fremden Augen zu sehen. Was wir mit diesem anderen Blick anfangen, ob wir ihn uns zu eigen machen oder ob wir darüber die Augen verschließen, das liegt ganz an uns – und an unseren Möglichkeiten.

Wenn »Zuviel Sonne« »Erzählungen« sind, wie es der Umschlag verspricht, dann sind es sehr kurze Erzählungen, die keine langen Aus-flüchte erfinden, keine großen Umstände machen und auch nicht lange drum herum reden, sondern in schlichter, knapper Sprache Maß neh-men an dem, was ein Leben zu bieten hat. Es ist ein städtisches Leben, um das sich die Erzählungen drehen. Urbane Einsamkeit, die ferne Nä-he der Menschen, flüchtige Bewegungen, der nach innen gerichtete Blick, das Nachdenken über das Herkommen. Jeder Tag wird zum jüng-sten Tag und die Zukunft erscheint als blendende Erinnerung. Die Bilder von Pfammatters Prosa sind poetisch, das heißt aus der Erfahrung ge-wonnen, in die Vorstellung gebaut, offen und punktgenau. Bei aller Me-lancholie, die mitschwingt, herrscht ein helles Licht. Es wird nicht ge-munkelt oder vage angedeutet, sondern offen gelegt. Das führt immer wieder zu kleinen, punktuellen Einsichten, als wäre da, für einen Augen-blick, plötzlich, »Zuviel Sonne«. Und da wären wir wieder – beim Wetter und damit, Sie ahnen es, auch bei der Kunst. Lassen Sie es mich so sa-gen. Beim Reden über das Wetter, wie wir es tun, ist das Wesentliche, dass wir darüber spricht, beim Schreiben, wie Christine Pfammatter es tut, geht es darum, wie, in welcher Form, auf welche Weise sie es tut. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Zeit des Wartens ist vor-bei, Sie haben nun die Gelegenheit, ganz genau zu erfahren, wie Chri-stine Pfammatter schreibt und auch worüber sie schreibt, und Sie wer-den sehen, über »Zuviel Sonne« müssen wir uns heute wahrlich nicht beklagen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit Christine Pfammatter und ihrem ersten Buch!"

Reto Sorg, Moderation der Buchpremiere in Leuk

 

 


Textprobe
aus: Zuviel Sonne

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