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Peter Piek
geb. 1981 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), seit 2002 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 2003 Mitbegründer der Künstlergruppe Querschlag und der malfront
Veröffentlichungen (Auswahl)
mit Michael Goller: Das Malbuch. art fiction, ERATA 2006
Michael Goller & Peter Piek: Die Puppenspieler, LLV 2011
Stimmen
Goller
und Piek erzählen fast verräterische Geschichten: Die Puppenspieler
Ralf Julke, L-IZ vom 09.12.2011
Man hat's ja nicht leicht als Künstler. Als junger zumal. Und erst recht in der Ausbildung. Und mit 37 und 30 Jahren gehören Michael Goller und Peter Piek noch zu den jungen. Beide sind gebürtige Gorl-Morx-Städter. Heute heißt das Städtchen Chemnitz. Ihr Taschen-Dialog läuft unter der Kategorie "art fiction".
Ist natürlich keine eigene literarische Kategorie. Wird auch nicht gelehrt. Nicht an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig, wo Peter Peik seit 2002 studiert, auch nicht in Mittweida, wo Michael Goller ein Medienstudium absolviert hat. 2003 taten sich die beiden zusammen und gründeten die Künstlerinitiative Malfront. "Um die Malerei zu 'entschütten'", wie es auf der Website der Malfront heißt. Parallel gründeten sie mit Dirk Hanus und Michael Knauth auch noch die Künstlergruppe Querschlag. Auch diese Gruppe als politisches Kontra verstanden.
Mal Ina Gille zitiert, deren Text die Website bietet: "Natürlich bleibt es ein Querschlagen, Wut-Haben, Aufbegehren, Umsich-Schlagen, gegen das Leben aus zweiter Hand, den Konsumzwängen, Fernsehsüchten zu widerstehen, die seichten Unterhaltungsgelüste zu ignorieren, sich dieser gefilterte Wirklichkeit, vorgekaut, zu widersetzen, zu widersetzen mit Kunst."
Drei Pünktchen. Aha. Man hätte es fast nicht geglaubt. Aber der alte rebellische Geist ist noch wach. Der rebellische Geist, der vor 100 Jahren mal die Welt zu erschüttern versuchte. "Dada" war eine der Inkarnationen dieses Geistes. "Dada" steht und hängt heute im Museum und mancher hält es für ein Unterkapitel der "Moderne", die ja bekanntlich auch im Museum hängt oder steht oder verstaubt. Denn danach kam irgendwas Anderes, das die Herren mit den ungekämmten Haaren und den großen Hornbrillen dann "Zweite Moderne" oder Postmoderne nannten.
Geändert hat sich eigentlich nichts. Das, was künstlerisch gelungen war, hat seine Käufer und Verehrer gefunden. Anderes auch. Die Verwirrung ist nicht nur in kunstwissenschaftlichen Seminaren groß. Sie ist auch auf den Kunstmärkten entsprechend. Derzeit grübelt die halbe Welt, wie man einen Pollock nur hat fälschen können. Oder viele Pollocks.
Alles Ansichtssache. Gefälscht und kopiert haben die Menschen schon immer. Die halbe Überlieferung aus der antiken Welt sind Repliken und Nachahmungen. Meist deshalb noch so zahlreich zu finden, weil sich da irgendwo ein Bildhauer einen Stil zugelegt hatte, der auch noch in der Nachahmung der Nachahmung für ein Staunen beim Betrachter sorgte.
Davon träumen Kunstmacher auch heute noch. Und sie leiden darunter. Denn natürlich ist das Gedränge groß. Nicht nur, wenn an der HGB die Bewerbungen anstehen. Viele fühlen sich berufen.
Ein Ziegelstein ist meist kleiner, schmaler ...
Dies hier ist ein Büchlein aus der Leidenswelt junger Künstler. Zum größten
Teil dialogisch geschrieben, ein Gemeinschaftswerk, in dem sich Goller und
Piek, die man auf dem Cover strumpfmaskiert abgebildet sieht, die Bälle
zuspielen. Sie erzählen auf diese Weise auch Geschichten. Geschichten aus
der Welt der Künstler. Eine zum Beispiel über die große Leistungsschau in
einer berühmten Kunsthochschule, wo sich beim Kampf um die beste Platzierung
der Bilder ein großes Drama entspinnt. Es ist wie ein hübscher kleiner Blick
in die gar nicht so kameradschaftliche Welt, in der der künstlerische Nachwuchs
sich bildet. Der gewöhnliche Betrachter sieht ja beim Rundgang nur das Ergebnis,
bleibt da und dort hängen, sieht lauter junge Leute, denen schnurzpiepegal
zu sein scheint, ob den komischen Leuten, die da kommen, das irgendwie gefällt,
was da hängt.
Ist also nicht so. Sie tun nur so. Schön, das zu wissen.
Manches in den Dialogen dieses Buches wirkt nur surreal. Wie das "Theaterstück", das am Ende ein ganzes Drittel des Buches ausfüllt und in dem die beiden Maler in die Fänge eines obskuren Gerichtes geraten und schließlich - gut verschnürt - im Gefängnis landen. Damit sie aufhören, so zu malen, wie sie es tun. Das kommt einem bekannt vor. So wie einige der Namen, die hier anklingen. Dass ein Neon Bauch hier den Vertreter der alles erdrückenden Malweise spielt, lässt ahnen, wie sehr man sich da in den Ateliers reibt. Aneinander und an denen, die schon da sind und die berühmt sind. Dass es junge Künstler freilich auch wie ein Leben zwischen Anklage und Verurteilung erleben, kann ein Kunstgriff sein. Muss es aber nicht.
Er schafft auch eigene Wertungen, grenzt sich ab, will anders sein. Und das muss man dann auch aushalten. Das scheint nicht wirklich leicht und schon gar nicht idyllisch zu sein, auch wenn es am Ende so etwas wie eine Errettung gibt. Eine einsichtige Richterin wird zur Retterin der beiden Verurteilten. Die Schlussszene hat etwas faustisches. Fast wartet man auf das bekannte "Gerettet!" Denn Johann Wolfgang Goethe war zwar kein Maler - aber er litt genauso zeitlebens unter dieser Dissonanz. Er ist ein gut Teil seines Fausts. Und die berühmte Rettung ist durchaus eine zweischneidige Angelegenheit. Man kann und darf sie auch ironisch lesen.
Bei Goller und Piek muss man sie ironisch lesen. Da fliegt sogar die Haftanstalt in die Luft.
Das Buch enthält auch ein paar Grafiken unter dem Titel "Puppenspieler". Im Original sind es Ölbilder. Das steht ganz hinten im Buch erklärt. Mit der Zuweisung an die beiden Künstler. Denn unterscheiden kann man es beim Betrachten nicht. Die beiden spielen auch mit der Verwechselbarkeit ihrer Handschriften. Auch so ein Moment aus der großen Werkstatt der Kunstgeschichte, wo sich Legionen von Sachverständigen die Köpfe darüber zergrübeln, ob ein Bild noch das Original des berühmten Malers ist oder eine Kopie von dessen eigener Hand oder von einem seiner Schüler oder von einem echten "Fälscher", der zwei Jahrhunderte später Hand anlegte.
Wer also demnächst mal wieder irgendwo eine idyllische Geschichte über Künstler liest, darf sich ruhig betrogen fühlen. Idyllisch ist das Leben der Leute ganz gewiss nicht, die sich im wachsenden Meer der Bilder und Eitelkeiten ein Plätzchen, einen Ruf und ein kleines bisschen Erfolg erarbeiten (oder erkämpfen) wollen. Maskerade und Puppenspiel sind dafür sogar noch recht zurückhaltende Synonyme.
Zum Trost für alle Rebellen: "Die Puppenspieler" ist Teil 2 einer von Goller und Piek geplanten Trilogie. Der erste Teil erschien 2005 in der Edition Erata, die sich mittlerweile zum Leipziger Literaturverlag gemausert hat. Ein dritter Teil unter dem Titel "Die Neue Welt" sei in Arbeit, heißt es aus dem Malfront-Kosmos.
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