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Walter Thümler

geb. 1955 in Oldenburg, lebt seit 2008 in Rogätz/ Elbe, Lyriker, Übersetzer zeitgenössischer russischer und englischsprachiger Poesie, Herausgeber.

Zur Zeit Förderung der literarischen Arbeit durch ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt.

Veröffentlichungen im Leipziger Literaturverlag:

Gennadij Ajgi: Immer anders auf der Erde. Gedichte, LLV 2009

C. K. Williams: Von nun an. Gedichte, LLV 2010

Ist jemand da, Gedichte, LLV 2011

Weitere Publikationen:

Schmaler Streifen Fruchtland, Oberbaum Verlag, Berlin 1988

Über die lange Horizontale, Kleinheinrich, Münster 1995

Balken. Striche. Brösel, Lyrikedition 2000, hrsg. von Heinz Ludwig Arnold, München 2001 (2005 erschien in Moskau der Gedichtband Balken. Striche. Brösel im Verlag Futurum Art, vollständig ins Russische übertragen von Galina Ajgi, mit einer Vorbemerkung von Gennadij Ajgi.)

Penuels Hügel, Sentenzen zu Religion, Kunst und Philosophie, Morus Verlag, Berlin 2004

59 Notizen nach Stichworten von Johann Georg Hamann in „Rede, daß ich dich sehe“, hrsg. von Susanne Schulte, Rimbaud Verlag, Aachen 2007

Beiträge in „Wespennest“, Heft 135, 145, 153, in „die horen“, Heft 226, in „Ostragehege“, Heft 56, in „Manuskripte“, Heft 183

 

Stimmen

Walter Thümler befaßt sich mit dem Verhältnis, das dem Gedicht vorausgeht, und der Fremdheit des Andern, die wiederum diesem Verhältnis vorausgeht. Daraus entsteht ein Schiffbruch, ohne den, wie er sagt, der Dichter kein Dichter sein kann. Rosemarie Waldrop

Bei der Lektüre der Gedichte von Walter Thümler entstehen – wie als Erwiderung – Gestalten und eine sich selbst erschaffende Gebetsstille (gleichsam im wortlosen Schweigen) – weit zurückliegende Impressionen, Vermutungen, kostbare Erinnerungen. Gennadij Ajgi

Walter Thümler gibt den Boden, den er gewinnt, immer wieder auf. Letztlich geht es ihm um die Frage, wer nach Parodie, nach Verstummen, nach Versagen das Wort wieder einsetzt, die Sprache wieder eröffnet, wenn die Sprache sich verabschiedet hat. Wir fühlen … die Echtheit der Stimme. Joachim Sartorius

Schreiben, hinken, springen
von Rolf Birkholz, Am Erker 62

Der fragezeichenlose Titel des neuen Gedichtbandes von Walter Thümler zeigt genau die Haltung an, welche die Sammlung Ist jemand da durchzieht: eine mit dem Zweifel vertraute Zuversicht, ein mit leisem Rufen verbundenes Sehen, ein tastendes Wahrnehmen.
Zehn Jahre sind seit dem vorigen, dritten Band Balken. Striche. Brösel vergangen. Seine Art der Intensivierung durch äußerste Verknappung - auf der unkartierten Grenzlinie zwischen Schreiben und Schweigen balancierend - hat Thümler beibehalten, auch wenn die Gedichte nun länger sind, einzelne gar weiträumig über ein, zwei Seiten gestreut oder, wie bei zwei Stanzen-Zyklen, blockartig gefügt werden.
Der Dichter lässt zudem mehr "Welt" zu als früher. Fernsehbilder, Radiostimmen, Zeitungsnachrichten, Beobachtungen im Wohnort und unterwegs. Obwohl beim Gang über Wiesen und Felder auch einmal das "Grün Tränen des Glücks// in die Augen" treiben kann, erscheint Thümlers Welt als eher unwirtlicher, von Menschenhand leichtfertig gefährdeter Ort. "Wüssten wir Wo wir jetzt/ sind Wir legten uns schlafen und/ wer wagte wieder aufzustehen" ("Röderhofer Stanzen").
Gerade weil er weiß, dass "Schweigen schwieriger ist / als Schreiben", macht es sich der 1955 in Oldenburg geborene, bei Magdeburg lebende Autor, einer der im philosophisch-theologischen Sinne sprachkritischsten Lyriker unserer Tage, mit dem Dichten nicht leicht. Doch es "wachsen der Gewissheits-Hydra ständig/ die Köpfe nach// soll sie unser Trost sein Weil wir/ unsere Metapher nicht finden?"
Dem poetischen Subjekt ist auch bekannt, "dass es vielleicht sinnlos ist", das Dasein im Kommunikationsgewirr, in der Sprachnot dieser Zeit lyrisch auf den Begriff bringen zu wollen. Vielleicht. "Aber er wird/ sich selbst nicht sehen", heißt es über einen momentan glücklichen Menschen. "Darum das / Gedicht Versuche ich mit dem/ linken Bein zu hinken".
Schreiben ist für Walter Thümler ("Sprache sprach / uns leer", "das Wort sucht/ seinen Anfang") strenges Wort-Exerzitium, nicht zuletzt auch ein Sprungtraining: "wenn du nicht springst (Springen/ in den Glauben wie Kierkegaard/ es versteht) Überdrehst du dich wie die / Schraube in der Mutter". Exerzitien im Dienst des Lesers: "überall ist es/ schön Wo du sagst 'ich will's versuchen'; und erzählst/ was du siehst". Hört jemand zu.


Dresdner Neueste Nachrichten vom 26. 11. 2011




 

 

Leseproben:
Immer anders auf die Erde von Gennadij Ajgi
Von nun an von C. K. Williams
Ist jemand da

Zu den Dichtern:
- Gennadij Ajgi
- C. K. Williams

Zu den Büchern !
- Immer anders auf die Erde
- Von nun an
- Ist jemand da